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Ältere Frau sitzt entspannt auf dem Sofa und hält eine Tasse in Händen
Unser Leben

„Nein, dieses Mal nicht!“

14.1.2026
3 Minuten

Eine Absage kann befreiend sein. Eine Mediatorin erklärt, wieso wir uns vornehmen sollten, öfter mal „Nein“ zu sagen.

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Foto: Shutterstock.com

Ewige Ja-Sager

  • „Kannst du morgen Abend babysitten, ich würde gern zu dieser Ausstellung gehen?“
  • „Bringst du bitte zur Party deine tolle Zitronen-Baiser-Torte mit?“
  • „Übernimm doch die Organisation für den Ausflug, du kannst das so gut.“

Nein, mach ich nicht.

  • Weil ich ungern abends noch unterwegs bin.“
  • Weil die Baiser-Torte fürchterlich aufwendig ist.“
  • Weil mich die Organisation des Ausflugs überfordert.“

Das würden wir gern ehrlich antworten, stattdessen hören wir uns sagen: „Ja, okay.“

Warum es uns so schwer fällt, Nein zu sagen

Immer Ja zu sagen ist auf Dauer nicht gesund, erklärt Kirstin Nickelsen, Coach aus Hamburg und Autorin von „Ja zum Nein“ (Springer, 22,99 Euro).

Warum aber tun wir es trotzdem? Das hat mehrere Gründe, weiß die Fachfrau:

  • Unsere grundsätzliche Hilfsbereitschaft
  • Harmoniesucht
  • Die Angst, sich unbeliebt zu machen,
  • Unsere Erziehung

Ja zu sagen wird dann problematisch, wenn die Zusage Stress verursacht. „Immer wenn Sie sich denken: ‚Eigentlich möchte ich gar nicht …‘, ist es wichtig, dass Sie auch für Ihr eigenes Bedürfnis einstehen.“

Für sich selbst sorgen

Genau darum geht es beim „Nein“ – um Selbstachtung und Selbstschutz. „Es ist ein Irrtum, zu glauben, mit einem ‚Nein‘ jemanden vor den Kopf zu stoßen: Es bedeutet einfach nur, seine eigenen Wünsche ernst zu nehmen“, so Mediatorin Kirstin Nickelsen. Ein halbherziges „Ja“ raubt uns Energie und Nerven, das „Nein“ ist gesunde Abgrenzung: „Wir setzen anderen eine Grenze, um die eigene nicht zu erreichen.“

Diese Erkenntnis und das Bewusstsein für die eigenen Bedürfnisse ist der erste Schritt, in Zukunft nicht alles abzunicken. Das erfordert durchaus Mut und Übung (und klappt sicher auch nicht immer), aber es lohnt sich:

Wer klar und ehrlich kommuniziert, lebt entspannter und glücklicher – und wird, versichert die Expertin, unverändert geliebt.

Wie erkenne ich meine Bedürfnisse?

"Das noch und das schaffe ich auch noch" - viele haben verlernt, ihre Bedürfnisse überhaupt wahrzunehmen und gehen ständig über ihre Grenzen. Wie lerne ich also, meine Bedürfnisse überhaupt erst wieder wahrzunehmen?

Kleine Schritte sind der Schlüssel. Immer wieder innehalten und einen kurzen Selbstcheck durchführen: wie geht es mir und was brauche ich gerade? Ein Glas Wasser? Einen Snack? Ruhe oder eher einen Plausch mit einer Freundin? Einen kurzen Spaziergang um den Block oder eine größere Auszeit? Es klingt simpel und ist doch der Schlüssel zu einer besseren Wahrnehmung unserer selbst. Wenn wir uns diese basalen Bedürfnisse erfüllen, signalisieren wir unserem Körper, dass wir uns um uns kümmern und vermitteln unserem Nervensystem dadurch Sicherheit.

Denn erst, wenn ich mich und meine persönlichen Grenzen spüre, kann ich diese auch nach außen kommunizieren.

Und dabei dürfen wir uns immer wieder daran erinnern: Ein Nein zu anderen, ist ein Ja zu mir selbst.