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Ratgeber Psychologie

Verzeihen, um frei zu sein

Einfach loslassen, Frieden mit sich und seiner eigenen Geschichte zu schließen. Das ist nicht leicht. Doch wer es schafft, gewinnt innere Kraft und vor allem eines: Freiheit.

©shutterstock
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Alter Groll, immer wieder hochkochende Wut und ein dumpfes Gefühl in der Magengegend. Fast jeder trägt den einen oder anderen alten Ballast an Vorwürfen mit sich herum, sei es gegen den Vorgesetzten, die eigenen Eltern oder den (Ex-)Partner und oftmals sogar gegen sich selbst. Lange gehegte Rachegefühle oder die Weigerung, bzw. das Unvermögen dem Gegenüber zu vergeben hat jedoch nicht zur Konsequenz, dass es uns irgendwann besser geht. Sondern ganz im Gegenteil: wir durchleben den zugefügten Schmerz nur immer wieder und das Leid wird nicht gelindert.

Fühlen wir uns schlecht behandelt, kocht der Wunsch nach Vergeltung, ja nach Gerechtigkeit in uns hoch. Doch Rachegelüste hinterlassen einen schalen Beigeschmack in uns, der nicht glücklich macht.

Verzeihen ist deshalb vor allem wichtig, um uns selbst zu befreien, denn wie Buddha sagte:

„Am Ärger festzuhalten ist, wie wenn du ein glühendes Stück Kohle in Händen hältst, mit der Absicht, es nach jemandem zu werfen. Derjenige, der sich dabei verbrennt, bist du selbst.“

Doch was heißt eigentlich verzeihen?

Verzeihen heißt …

  • Loslassen – und zwar den „Anspruch“ auf Sühne
  • Verzichten – auf negative Gefühle wie Groll oder Hass
  • Freiheit – denn man wird unabhängig von der Person, die einen verletzt hat
  • Eine Entscheidung treffen – Verzeihen passiert nicht automatisch, es ist eine bewusste Handlung

Verzeihen heißt nicht …

  • Vergessen – denn das können wir gar nicht
  • Versöhnen – dazu braucht man zwei Menschen, Verzeihen kann ich allein
  • Verharmlosen – ja, es war schlimm und hat weh getan
  • Gutheißen – Unrecht bleibt Unrecht

Gekränkt. Und jetzt?

Viele von uns kennen das Gefühl von Kränkung und wie sehr es das Leben bestimmt und sich immer wieder in einem negativen Strudel um die Person konzentriert, die die Kränkung verursacht hat. Frau im Leben-Expertin Bärbel Wardetzki erklärt im Interview, wie man mit Kränkungen umgehen soll.

Wie kann man sich vor Kränkungen besser schützen?

Indem wir unser Selbstwertgefühl aufpolstern. Davon hängt es ab, wie nah wir etwas an uns heranlassen. Am besten, man macht sich immer wieder klar, was die eigenen Stärken, Grenzen und Schwächen sind. Und schaut sich die eigenen wunden Punkte an.

Und wenn es doch passiert?

Dann ist es wichtig, sich das auch einzugestehen. Fragen Sie sich: War das wirklich so schlimm? Will man deshalb gleich die Freundschaft aufkündigen? Versetzen Sie sich in die Lage des anderen: Hatte es Gründe für sein Verhalten? War es ein Missverständnis?

Soll ich denn dem anderen sagen, dass ich gekränkt bin?

Im Berufsleben ist es sicher wichtig, abzuwägen, ob das gut für mich ist. Aber sonst ist es sinnvoll, gleich oder auch noch Tage später zu fragen: „Wie hast Du das gemeint? Mich hat das gekränkt.“

 

Letzte Version vom 5. Juni 2019

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