Weit mehr als ein momentaner Trend ist der Minimalismus, der derzeit in Sachbüchern, sozialen Medien und Blogs die Runde macht. Doch was heißt eigentlich Minimalismus?

Kurz zusammengefasst könnte man ihn als „Weg zum Weniger“ bezeichnen, als bewusste Entscheidung, nur diejenigen Dinge ins eigene Leben zu lassen, die glücklich machen und guttun. Allen voran fokussiert sich Minimalismus auf gut genutzte Zeit. Für sich selbst, für Freunde und Familie und für Erlebnisse, die einem am Ende doch viel mehr bedeuten als das nächste Paar Schuhe.

Schritt 1: Das Ausmisten

Der erste Schritt hin zu einem minimalistischen Leben ist meist ein pragmatischer: Bevor man überlegt, was man in sein Leben hineinlassen möchte, macht es Sinn, sich Gedanken darüber zu machen, was bleiben darf.

Das Zuhause soll schließlich Lebensraum sein, nicht Stauraum.

Kaum ein anderer hat die Minimalismus-Bewegung so geprägt wie die Japanerin Marie Kondo. Ihr Credo „Macht es mich glücklich?“ revolutionierte das Vorgehen vieler Ausmist-Williger. Denn ihre Vorgehensweise ist simpel, einleuchtend und vor allem erfolgreich.

Ausmisten auf die „glückliche Art“:

  • Sich Zeit nehmen, um (wirklich alle) Habseligkeiten auszumisten. Erst dann stellt sich der gewünschte Effekt ein
  • Nach Kategorie vorgehen, nicht nach Raum – Große Kategorien sind Bekleidung, Bücher, Unterlagen, Sonstiges (wie Gebrauchsgegenstände) und Sentimentales (wie Erinnerungsstücke)
  • Alle der Kategorie zugehörigen Teile zusammensuchen (auch aus dem Keller, der Garage, dem Dachgeschoss usw.)
  • Jedes einzelne Teil in die Hände nehmen/anprobieren und sich folgende entscheidende Frage stellen „Macht mich dieses Teil wirklich glücklich?
  • Sortieren nach „Nein“ (ab in einen Karton und spenden, verschenken, wegwerfen, verkaufen), „Brauche ich noch“ und „Ja“
  • Was bleiben darf, sinnvoll ordnen – überlegen Sie sich ein zu Ihnen passendes System

Wichtige Tipps zu den Methoden:

  • Seien Sie konsequent! Ausreden wie „Das habe ich mir doch gerade erst gekauft“ oder „Das hat mir doch mal eine liebe Freundin geschenkt“ zählen nach Marie Kondo nicht – ein schlechtes Gewissen ist (i.d.R.) kein Grund Dinge zu behalten, die nicht glücklich machen.
  • Es kommt nicht darauf an, wie oft Sie etwas tragen – der sonst typische Ausmist-Tipp „Haben Sie das in den letzten Monaten getragen?“ zählt nicht, solange es Sie nicht glücklich macht.
  • Ausgemistetes am besten gleich in geeigneten Kartons verstauen, sodass Sie nicht noch einmal das Sortieren anfangen müssen.
  • Für ein Ordnungssystem können Bücher beispielsweise nach Themen, Autoren oder alphabetisch geordnet werden, Kleidung nach Farbe, Anlass oder Saison und Papierkram nach der Methode „Sofort erledigen / Demnächst erledigen / Einordnen und aussortieren“.

Schritt 2 – Einkaufen oder wie Sie Fehlkäufe vermeiden

Was hilft ein reduzierter Kleiderschrank, wenn man doch in den nächsten Kaufrausch verfällt, sobald irgendwo ein „Sale“-Schildchen hängt? Oder „nur mal kurz“ irgendwo vorbeischaut, um dann mit dieser oder jener Kleinigkeit heimzukehren, die vielleicht eine kurze Freude, hernach jedoch ein schlechtes Gewissen zur Folge hat. Und einen noch volleren Kleider-, Küchen- oder Badschrank.

Jetzt heißt es: Fehlkäufe vermeiden

Die Lösung: keine impulsiven Käufe mehr

Das ist oft einfacher gesagt als getan aber unsere Fragen können helfen, dass aus dem nächsten Impulskauf entweder ein „Ja, das möchte ich wirklich haben“ oder ein „Nein, heute sicher nicht“ wird:

  • Brauchen Sie es wirklich? Der erste impulsive Ausruf ist hier sicherlich ein klares Ja. Aber können Sie es noch bejahen, wenn Sie sich die kommenden Fragen stellen?
  • Haben Sie etwas Ähnliches? Oder etwas, das Sie anstelle dessen benutzen können?
  • Wie oft werden Sie es benutzen? Es geht weniger darum, wie oft Sie das gewünschte Teil denn verwenden wollen, sondern was ist realistisch?
  • Welchen Platz soll es bekommen? Sie haben fleißig ausgemistet, alles ist aufgeräumt und hat seinen festen Platz. Da macht es vor einem Kauf durchaus Sinn zu überlegen, wo Sie jene Kuchenform oder diese sperrige Jacke unterbringen wollen…
  • Harmoniert es mit den Dingen, die Sie bereits besitzen? Nun besitzen Sie nach dem Ausmisten die Dinge, die Ihnen wirklich wichtig sind und die Ihnen Freude bereiten. Passt da die Neuanschaffung wirklich dazu? Oder müsste man sogar noch einige Teile mehr dazu kaufen, damit alles wieder harmoniert?
  • Macht es Sie glücklich? Hier gilt es sensibel dafür zu werden, ob Sie die Neuanschaffung nur witzig finden oder ob es ein Teil ist, das echten Mehrwert schafft und über das Sie sich ehrlich und nachhaltig freuen können.
  • Was wollen Sie eigentlich? Achtung vor Kompromissen – denn ein Kompromiss ist nichts, was langfristig glücklich macht.
  • Visualisieren Sie den Geldwert – Hier hilft ein festes Budget und das Bewusstmachen , dass es Lebenszeit ist, mit der Sie einkaufen (wie viele Stunden mussten Sie arbeiten, um sich das gewünschte Stück leisten zu können?)
  • Benötigen Sie es jetzt? Vorratskäufe oder Käufe à la „Ich könnte es ja mal brauchen“ machen wenig Sinn
  • Achtung bei Schnäppchen – Es ist nämlich keines, wenn Sie es vorher nicht gebraucht haben und zu Ihnen und Ihrem Leben nicht passt

Hoffnung in Corona-Zeiten

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