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Unser Minimalismus Guide

Was macht mich glücklich? Sind es wirklich das nächste paar Schuhe oder die zehnte Jeans? Immer mehr Menschen stellen sich diese und ähnliche Fragen.

Marina_D / © shutterstock
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Weit mehr als ein momentaner Trend ist der Minimalismus, der derzeit in Sachbüchern, sozialen Medien und Blogs die Runde macht. Doch was heißt eigentlich Minimalismus?

Kurz zusammengefasst könnte man ihn als einen „Weg zum Weniger“ bezeichnen, als bewusste Entscheidung nur diejenigen Dinge ins eigene Leben zu lassen, die glücklich machen und guttun. Allen voran fokussiert sich Minimalismus auf Zeit. Für sich selbst, für Freunde und Familie und für Erlebnisse, die einem am Ende doch soviel mehr bedeuten als das nächste Paar Schuhe.

Schritt 1: Das Ausmisten oder was macht mich wirklich glücklich

Der erste Schritt hin zu einem minimalistischen Leben ist meist ein pragmatischer: bevor man überlegt, was man in sein Leben hineinlassen möchte, macht es Sinn, sich erst einmal Gedanken darüber zu machen, was bleiben darf.

Das Zuhause soll schließlich Lebensraum sein, nicht Stauraum.

Kaum ein anderer hat die Minimalismus-Bewegung so geprägt wie die Japanerin Marie Kondo. Ihr Credo „Macht es mich glücklich“ revolutionierte das Vorgehen vieler Ausmistwilliger.

Denn ihre Vorgehensweise ist simpel, einleuchtend und vor allem erfolgreich:

  • Sich Zeit nehmen, um wirklich alle Habseligkeiten auszumisten – erst dann stellt sich der gewünschte Effekt ein
  • Nach Kategorie vorgehen, nicht nach Raum – Große Kategorien sind Bekleidung, Bücher, Unterlagen, Sonstiges (wie Gebrauchsgegenstände) und Sentimentales (wie Erinnerungsstücke)
  • Alle der Kategorie zugehörigen Teile zusammensuchen (auch aus dem Keller, der Garage, dem Dachgeschoss)
  • Jedes einzelne Teil in die Hände nehmen/ anprobieren und sich folgende entscheidende Frage stellen „Macht mich dieses wirklich Teil glücklich?
  • Sortieren nach „Nein“ (ab in einen Karton und spenden, verschenken, wegwerfen, verkaufen), „Brauche ich noch“ und „Ja“
  • Was bleiben darf, sinnvoll ordnen – überlegen Sie sich ein System

Wichtige Tipps zu den Methoden:

  • Seien Sie konsequent! Ausreden wie „das habe ich mir doch gerade erst gekauft“ oder „das hat mir doch mal eine liebe Freundin geschenkt“ zählen nach KonMari nicht – ein schlechtes Gewissen ist (i.d.R.) kein Grund Dinge zu behalten, die nicht glücklich machen (und Sie werden überrascht sein, was Sie glücklich oder nicht glücklich macht)
  • Im Falle der KonMari Methode kommt es übrigens auch nicht darauf an, wie oft Sie etwas tragen – der sonst typische Ausmist-Tipp „Haben Sie das in den letzten Monaten getragen?“ zählt hier nicht
  • Ausgemistetes am besten gleich in geeigneten Kartons verstauen, sodass Sie nicht noch einmal das Sortieren anfangen müssen
  • Für ein Ordnungssystem können Bücher beispielsweise nach Themen, Autoren oder alphabetisch geordnet werden, Kleidung nach Farbe, Anlass oder Saison (im Heft 10/2018 verraten wir die KonMari-Faltmethode) und Papierkram nach der Methode „Sofort erledigen, demnächst erledigen, einordnen und aussortieren“

Schritt 2 – Einkaufen oder wie Sie Fehlkäufe vermeiden

Was hilft ein reduzierter Kleiderschrank, wenn man doch in den nächsten Kaufrausch verfällt, sobald irgendwo ein „Sale“-Schildchen hängt? Oder „nur mal kurz“ irgendwo vorbeischaut, um dann mit dieser oder jener Kleinigkeit heimzukehren, die vielleicht eine kurze Freude, hernach jedoch ein schlechtes Gewissen zur Folge hat. Und einen abermals vollen Kleider-, Küchen- oder Badschrank.

Jetzt heißt es: Fehlkäufe vermeiden

Die simple Lösung: keine impulsiven Käufe mehr

Das ist oft einfacher gesagt als getan aber unsere Fragen können helfen, dass aus dem nächsten Impulskauf entweder ein „Ja, das möchte ich wirklich haben“ oder ein „Nein, heute sicher nicht“ wird:

  • Brauchen Sie es wirklich? Hier sollten Sie ehrlich zu sich sein – der erste impulsive Ausruf ist hier sicherlich ein klares Ja. Aber können Sie es noch bejahen, wenn Sie sich die kommenden Fragen stellen?
  • Haben Sie etwas Ähnliches oder etwas, das Sie anstelle dessen benutzen können?
  • Wie oft werden Sie es benutzen? Hier ist Ehrlichkeit gefragt, denn es geht weniger darum, wie oft Sie das gewünschte Teil denn verwenden wollen, sondern was ist realistisch? Kann man das Teil auch ausleihen etwas Ähnliches anstelle dessen benutzen?
  • Welchen Platz soll es bekommen? Sie haben fleißig ausgemistet, alles ist aufgeräumt und hat seinen festen Platz. Da macht es vor einem Kauf durchaus Sinn zu überlegen, wo Sie jene Kuchenform oder diese sperrige Jacke unterbringen wollen. Noch ein Schal, noch ein Kerzenhalter?
  • Harmoniert es mit den Dingen, die Sie bereits besitzen? Nun besitzen Sie nach dem Ausmisten die Dinge, die Ihnen wirklich wichtig sind und die Ihnen Freude bereiten. Passt da die Neuanschaffung wirklich dazu? Oder müsste man sogar noch einige Teile mehr dazukaufen, dass alles wieder harmoniert?
  • Macht es Sie glücklich? Hier gilt es sensibel dafür zu werden, ob Sie die Neuanschaffung schlichtweg witzig finden oder ob es ein Teil ist, das echten Mehrwert schafft und über das Sie sich ehrlich freuen können.
  • Wie finden Sie es später? Von hochwertigen Stoffen aus nachhaltiger Herstellung hat man langfristig mehr – und ganz wichtig: werden Sie sich bewusst, was Ihnen wirklich steht.
  • Was wollen Sie eigentlich? Achtung vor Kompromissen – denn ein Kompromiss ist nichts, was langfristig glücklich macht. Hier lohnt sich der altbewährte Wunsch- oder Einkaufszettel. So landen diejenigen Dinge, die Sie nicht verwenden werden, gar nicht erst im Einkaufskorb.
  • Visualisieren Sie den Geldwert – hier hilft ein festes Budget, Bargeld-Zahlungen anstelle von EC-Karte und Co. sowie das Bewusstmachen, dass es Lebenszeit ist, mit der Sie einkaufen (wie viele Stunden mussten Sie arbeiten, um sich das gewünschte Stück leisten zu können?)
  • Benötigen Sie es jetzt? Vorratskäufe oder Käufe à la „ich könnte es ja mal brauchen“ machen wenig Sinn
  • Achtung bei Schnäppchen – es ist nämlich keines, wenn Sie es auch vorher nicht gebraucht haben und zu Ihnen und Ihrem Leben nicht passt

Schritt 3 – Minimalismus im Kopf

Wer sich mit dem Thema Minimalismus auseinandersetzt, dem wird rasch bewusst, dass es mit dem Ausmisten alleine nicht getan ist. Denn wer sich der minimalistischen Lebensweise verbunden fühlt, für den ist das Reinemachen der Wohnung meist nur der erste Schritt hin zu einem bewussteren Leben, das deutlich mehr Entscheidungen beinhaltet als nur die überspitzte Frage, ob man zwei gelbe Pullover wirklich benötigt.

Wieviel konsumieren Sie im Kopf?

Zu einem selbstbestimmten Leben gehört es, dass man sein Glück nicht von äußeren Umständen abhängig macht. Denn diese kann man ebenso wenig beeinflussen, wie man andere Menschen steuern kann. An diesem Punkt kommt oft die Frage auf, ob man sein Glück wirklich von dem Besitz von Dingen abhängig machen möchte.

Minimalismus ist nicht nur das, was weggegeben wird, sondern auch das, was hereingelassen wird. Seien es Gedanken, Medien, Gegenstände oder andere Menschen.

Bei allen minimalistischen Anregungen geht es in erster Linie um eines: ein glückliches Leben zu führen, das sich mehr auf uns denn auf Konsumgüter konzentriert. Es kommt also nicht darauf an, dass wir uns nichts mehr gönnen dürfen oder dass das 51. Teil nun dieses eine Teil zu viel ist, dass das ganze Konzept ins Wanken bringt. Vielmehr geht es darum, dass jeder individuell für sich bestimmt, mit welchen und wie vielen Gütern er sich umgibt. Macht Sie eine Kaffeemaschine glücklicher als jeden Morgen zu filtern? Macht Ihnen auch die dritte graue Kuscheljacke Freude? Dann spricht nichts dagegen, diese auch weiterhin in Ihrem Leben so zu halten.

Denn Minimalismus soll sensibilisieren, nicht zur Selbstkasteiung zwingen.

 

 

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