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Ratgeber Psychologie

Macht uns Ärger krank?

Ja, Ärger ist unserer Gesundheit nicht zuträglich. Doch wieso fällt es uns so schwer, uns nicht zu ärgern und welche Krankheiten kann dies zur Folge haben? Unsere SOS-Tipps.

©shutterstock.com/ fizkes
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5 SOS-Tipps bei Ärger:

  1. Lächeln: dies wirkt selbst dann, wenn man sich dazu zwingen muss, denn das Gehirn kann nicht unterscheiden zwischen einem falschen und einem echten Lächeln.
  2. Atmen: Drei, vier Mal hintereinander tief ein- und ausatmen; das beruhigt den Puls und löst beklemmende Gefühle in Brust und Magen.
  3. Bewegen: 20 Minuten spazieren reicht schon. Baut Stress-Hormone ab, löst verspannte Muskeln.
  4. Rauslassen: fressen Sie Ihren Ärger nicht in sich hinein. Emotionen sind Energien, die in irgendeiner Art und Weise Ihren Weg nach draußen suchen. Lassen Sie Ihren Gefühlen freien Lauf, sei es beim Sport, beim Schreiben, beim Weinen oder auch bei einem resoluten „Jetzt reicht’s“. Nimmt der Ärger Überhand, können Sie, sobald Gelegenheit da ist, laut schreien, fluchen, auf ein Kopfkissen oder einen Sandsack einprügeln.
  5. Nachdenken: Treten Sie aus der Opferrolle heraus und fragen Sie sich, was Sie tun können, damit der Grund des Ärgers verschwindet? Wenn andere Sie ärgern: tun sie es aus Gedankenlosigkeit bzw. Unbeholfenheit? Falls ja, kann schon alleine diese Erkenntnis lindernd wirken.

Experten-Interview „Macht uns Ärger krank?“

Für Sie im Interview: Herrn Dr. Wolfgang Decker, Facharzt für Innere Medizin mit eigener Klinik in München.

Herr Dr. Decker, ist zu Ihnen schon mal jemand in die Praxis gekommen, der sich sprichwörtlich krankgeärgert hat?

DECKER: Oh ja, natürlich. Ärger, Druck, Stress – das alles spielt bei vielen Beschwerden eine entscheidende Rolle. Wenn jemand zu mir kommt und beispielsweise über Kopf– oder Rückenschmerzen klagt, dann versuche ich immer abzuschätzen, ob psychische Dinge als Auslöser infrage kommen, etwa beruflicher oder privater Stress, sprich Ärger.

Sich ärgern bzw. gestresst sein – ist das für Sie immer das Gleiche?

DECKER: Ja. Ärgert man sich, z.B. über einen Nachbarn, der immer zur Mittagszeit mit seinem Laubsauger hantiert, verursacht das die gleichen körperlichen Reaktionen wie das gestresste Gefühl, wenn man bei einer Tätigkeit unter Termindruck gerät. Besonders Dauer-Ärger, weil man sich z. B. jeden Tag aufs Neue über laute Nachbarn empört, führt dazu, dass der Körper tatsächlich permanent in einen Alarmzustand versetzt wird.

Was passiert dabei genau im Körper?

DECKER: Der Körper schüttet die Stresshormone Adrenalin und Kortisol aus. Das führt zu einer ganzen Reihe von körperlichen Reaktionen:

  • das Herz schlägt schneller
  • der Blutdruck steigt
  • die Muskeln spannen sich stark an.

Man kann sich vorstellen, dass ein Körper, in dem diese Prozesse dauerhaft oder sehr häufig ablaufen, irgendwann Schaden nimmt.

Welche Krankheiten kann Ärger auslösen?

DECKER: Typische Krankheiten sind z. B.:

Woran liegt es, dass sich manche Menschen schneller ärgern als andere?

DECKER: An ihrer Persönlichkeit. Ein Choleriker wird sich nun mal sehr viel mehr ärgern als ein Phlegmatiker, den selbst Ärger nicht aus der Ruhe bringt.

Erkennen Sie, ob ein Mensch dazu neigt, sich schnell zu ärgern und vielleicht auch deshalb Beschwerden hat?

DECKER: Es gibt schon Anzeichen. Wie ist die Körperhaltung? Wirkt er verspannt? Und wer sich häufig ärgert, isst auch mehr. Übergewicht kann also auch ein Anzeichen sein.

Und wenn man sich einfach vornimmt, sich nicht mehr über bestimmte Dinge zu ärgern?

DECKER: So einfach ist das leider nicht. Die Reaktion des Körpers wird zentral vom autonomen Nervensystem gesteuert. Dieses System kann man nicht willentlich steuern, die Vorgänge laufen automatisch ab.

Man kann also gar nichts gegen Ärger und seine negativen Effekte auf den Körper tun?

DECKER: Doch. Sport hilft fast immer. Zum einen ist Bewegung generell gesund und hilft gerade auch gegen die klassischen Folgen von Ärger wie Bluthochdruck und Verspannungen. Vor allem aber dient er als natürliches Ventil. Die durch den Ärger aufgestaute Energie kann endlich raus und die Stresshormone werden dabei abgebaut. Auch gut: Gezielt das tun, was einen glücklich macht, z. B. die Rosen schneiden oder ein schönes Buch lesen.

Haben Sie denn nicht auch noch ein Geheimrezept gegen Ärger, das sofort wirkt?

DECKER: Lächeln! Im Moment des größten Ärgers zwingt man seine Mundwinkel nach oben. Forscher haben nachgewiesen, dass dadurch die Stress-Symptome nachlassen. Langfristig muss man natürlich dafür sorgen, dass man insgesamt weniger Grund hat, sich zu ärgern, sprich das Problem lösen.

 

Letzte Version vom 7. Juli 2020

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