Die Corona-Pandemie mit ihren Abstandsgeboten hat den Individualurlaub wieder in den Fokus gerückt. Und gerade Wohnmobile sind momentan gefragt wie nie: Im März 2021 wurden 10.800 Reisemobile neu zugelassen (Quelle: de.statista.com), im Vergleich zum Vorjahresmonat ist das ein Plus von 52,4 Prozent. Kein Wunder, denn wo sonst kann man so entspannt Urlaub machen wie in seiner eigenen Ferienwohnung auf Rädern?

Das treibt moderne Nomaden an

Tourismuswissenschaftler Prof. Dr. Ulrich Reinhardt erklärt, was moderne Nomaden antreibt

Was verspricht der Urlaub mit dem Wohnmobil, was der Pauschaltourismus nicht kann?

REINHARDT: Mit einem Wohnmobil ist man unabhängig, wählt die individuelle Lieblingsroute und entdeckt die Welt im eigenen Tempo. Das vermittelt ein Gefühl von Freiheit, das im Alltag oft fehlt – genau wie auf den meisten fest gebuchten Reisen.

Warum warten so viele Menschen dann doch bis zur Rente, bevor sie ein Wohnmobil kaufen?

REINHARDT: Davor fehlen oft Zeit und Geld oder es werden andere Prioritäten gesetzt. Das Familienleben muss organisiert, die Karriere vorangetrieben werden oder man möchte sich im Urlaub um nichts kümmern müssen. Mit dem Eintritt in den Ruhestand stehen andere Prioritäten im Vordergrund und die Faszination eines Wohnmobil­urlaubs nimmt zu.

Was muss man wissen, bevor man ins Wohnmobil steigt?

REINHARDT: Camping ist heute nur noch selten ein spartanischer Urlaub mit Schlafsack und Gas­kocher. Anders als im Hotel gibt es aber keine Rezeption, die einspringt, wenn die Dusche streikt, der Motor qualmt oder alle Stellplätze belegt sind. Eigeninitiative und Improvisations­talent sind gefragt. Urlaub im Wohnmobil bleibt immer auch ein Abenteuer – und genau das macht diese Art des Urlaubs so spannend.

Hier ist Campen erlaubt

Vorerst gilt bis Ende Juni in Deutschland die sogenannte Notbremse. Demnach sind touristische Übernachtungen untersagt, sobald in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt die Inzidenz an drei Tagen hintereinander den Wert von 100 überschreitet. In den vielen Bundesländern konnten Campingplätze aber bereits wieder öffnen – informieren Sie sich vor einer Anreise am besten zeitnah.
Auch die Test-Strategien unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland. Auf den meisten Plätzen wird ein negativer Test bei der Anreise verlangt und dann etwa zweimal pro Woche auch vor Ort.

Aktuelle Informationen finden Sie auf der Homepage des Bundesverband der Campingwirtschaft in Deutschland e.V.

Das sind die Lieblingsziele deutscher Camper

Eine aktuelle Auswertung der Suchanfragen auf PiNCAMP, dem Campingportal des ADAC, zeigt: Die Nachfrage nach Campingurlaub im eigenen Land ist bei deutschen Campern nach wie vor hoch, aber nicht mehr so stark ausgeprägt wie im Coronajahr 2020. 54% der Aufrufe der PiNCAMP Nutzer entfallen 2021 auf Deutschland. 2020 waren dies sogar 73%. Bei den ausländischen Zielen rangiert Italien (17%) aktuell vor Kroatien (11%), Frankreich (5%) und Österreich (3%). Es folgen Dänemark (2%), die Niederlande (2%), die Schweiz (1%) und Spanien (1%).

Im Jahr 2019, also vor Corona lagen deutsche Campingziele mit einem Drittel der Aufrufe weiterhin an erster Stelle, aber die Destinationen in Südeuropa wie Italien (20%), Kroatien (12%), Frankreich (11%) und Spanien (3%) wurden wie auch die Niederlande (6%), Österreich (5%) und die Schweiz (2%) wesentlich stärker nachgefragt.

Bei den Inlandzielen liegen in diesem Jahr Bayern (23%) und Schleswig-Holstein (17%) vorn, gefolgt von Niedersachsen (14%), Baden-Württemberg (14%) und Mecklenburg-Vorpommern (11%) Schlusslichter sind die Bundesländer mit einer geringen Campingplatzdichte: das Saarland und die Stadtstaaten Bremen, Hamburg und Berlin (alle unter 1%).
Quelle: PiNCAMP Reiseanalyse 2021