Sie sind unsere besten Freunde, unsere ewigen Rivalen – oder beides zugleich. Mit Schwestern und Brüdern teilen wir nicht nur unsere Gene, sondern auch viele Erinnerungen. Und früher oder später auch die Sorge um die Eltern.

Unsere Autorin Claudia Dambacher hat mit dem Münchner Entwicklungspsychologe Hartmut Kasten über diese so prägende Beziehung gesprochen. Denn schon in der Kindheit waren es in der Regel unsere Geschwister, die uns ungebremst mit ihren und unseren Emotionen konfrontiert haben: Eifersucht und Zusammengehörigkeit, Stress und Geborgenheit, verzweifelte Wut und riesige Wiedersehensfreude. All diese Gefühle haben wir später noch oft erlebt – aber vielleicht nie mehr so ursprünglich und ungefiltert.
Hartmut Kasten weiß: „Das Besondere an Geschwisterbeziehungen ist das Schicksalhafte. Geschwister hat man so, wie man Eltern hat. Man muss sich mit ihnen arrangieren, auch wenn das manchmal schwerfällt.“

Wenig Abstand, enge Verbindung

Eine Studie der finnischen Universität Turku zeigte 2018, dass Geschwister als Erwachsene umso mehr Kontakt haben, je kleiner der Altersabstand zwischen ihnen ist. Ein weiteres Ergebnis: Zwei Schwestern oder zwei Brüder stehen sich im Erwachsenenalter näher als Bruder und Schwester. An der Untersuchung waren 4 000 Geschwister zwischen 19 und 67 Jahren beteiligt.

Lese-Tipps

  • „Geschwister. Die längste Beziehung des Lebens“ von Susanne Sitzler, Klett-Cotta, 10 Euro
  • „Dann eben ohne Titel… Wir konnten uns mal wieder nicht einigen“ von Anja und Gerit Kling, Ariston, 20 Euro