In Deutschland sind 2,63 Millionen Menschen pflegebedürftig, die Hälfte davon wird von Angehörigen versorgt. Gerade Frauen leiden unter einer Doppelbelastung von Pflege und Beruf, denn 90 % aller Pflegenden sind Frauen – und ein Drittel davon ist noch berufstätig.

Wer sich dazu entscheidet die Pflege von Angehörigen zu übernehmen, kann jede Unterstützung benötigen und sich auch Hilfe von außen holen. Erste Ansprechpartner sind Hausärzte, Krankenkassen, Gemeinden und Pflegestützpunkte.

Das Wichtigste auf einen Blick

Wenn es um finanzielle Hilfen geht, ist in der Regel immer die Pflegekasse (das ist in der Regel die Krankenkasse des Pflegebedürftigen) zuständig.

Deshalb ist es für Kinder wichtig, sich frühzeitig eine Vollmacht der Eltern geben zu lassen, um beispielsweise Anträge stellen zu können.

Bei den finanziellen Hilfen gibt es zwei Arten:

  • Regelmäßige Zahlungen pro Monat wie Pflegegeld oder Pflegesachleistung.
  • Die Höhe der Leistungen hängt von der Pflegestufe ab. Deshalb beim Besuch des medizinischen Dienstes (MDK) auf keinen Fall den Aufwand kleinreden, z. B. aus Scham. Diese Leistungen werden einmal beantragt und werden dann monatlich überwiesen.
  • Außerdem gibt es Sonderleistungen, die nur auf Antrag gewährt werden, z. B. Zuschüsse für einen Umbau oder einen Treppenlift sowie Geld für Einmal-Artikel. Dazu zählt auch der einmalige Zuschuss für Pflegedienst oder Pflegeheim, wenn man verhindert oder in Urlaub ist.

Hinzu kommen Vorteile, die nicht direkt auf dem Konto landen:

  • Wer die Eltern pflegt und deshalb nicht arbeiten kann, erhält dafür Rentenzeiten gutgeschrieben; jedes Jahr Pflege ergibt eine bis zu 20 Euro im Monat höhere eigene Rente.
  • Diese Leistung gibt es nicht automatisch, sondern nur auf Antrag (Pflegekasse!).

Pflegegeld oder Pflegesachleistung?

  • Pflegesachleistungen erhält, wer einen Pflegedienst beauftragt, der die Pflege übernimmt.
  • Pflegegeld erhält, wer ausschließlich von Angehörigen gepflegt wird.
  • Wer Pflegesachleistungen nicht vollständig ausschöpft, kann eine Kombi-Leistung beantragen. Der nicht in Anspruch genommene Anteil wird dann als Pflegegeld umgerechnet.

Pflege-Kurse

Wer merkt, dass die eigenen Eltern hilfsbedürftig werden, und sie pflegen möchte, der kann einen speziellen Kurs machen. Zum Beispiel solche, die zeigen, was man bei den alltäglichen Dingen in der Pflege beachten sollte.

Die Pflegekurse für Angehörige werden bei Pflegekassen, Kirchen, Wohlfahrtsverbänden und ambulanten Pflegediensten angeboten. Gelehrt werden u.a. Techniken beim Waschen, Essenreichen, Heben, bei der Medikamentengabe oder Hilfen beim Toilettengang, um die körperliche Belastung für Pflegende zu reduzieren. Meist sind es 10 – 15 Doppelstunden.

Außerdem wird dadurch Kontakt zu anderen Pflegenden hergestellt. Die Kosten des Kurses werden von Pflegekassen bzw. privaten Pflegeversicherern übernommen.

So klappt die Pflege

Auch wenn das Herz Ja sagt – nicht für jeden ist es sinnvoll, die eigenen Eltern zu pflegen. Das sind wichtige Bedingungen:

  • Auf die eigenen Bedürfnisse und die der Partnerschaft und des Partners achten
  • Die Beziehung zum Elternteil ist liebevoll, frühere Kränkungen sind nicht vorhanden, bzw. geheilt
  • Sie erhalten Unterstützung vom Lebenspartner, bzw. der Familie
  • Sie pflegen nicht aus den falschen Motiven, beispielsweise weil sie „endlich Anerkennung und Liebe“ von Ihren Eltern spüren möchten
  • Sie können auch einmal „Nein“ sagen
  • Es liegt Ihnen, Aufgaben auch einmal zu delegieren
  • Wenn die Eltern schwierig sind, können Sie sich abgrenzen und nehmen es nicht gleich persönlich
  • Sie können es sich leisten, auch einmal eine Pflegekraft zu engagieren

Geben Sie sich die Erlaubnis

Psychotherapeuten wissen, wie schwer es pflegenden Angehörigen fällt, auch mal loszulassen. Das sind Ihre Ratschläge:

  • Machen Sie Pausen. Sie haben ein Recht dazu, Zeit für sich zu haben. Es ist schließlich auch Ihr Leben – und es ist niemandem geholfen, wenn Sie überfordert sind.
  • Achten Sie auf genug Schlaf.
  • Machen Sie regelmäßig Termine mit sich aus, die nur Ihnen gehören.
  • Nehmen Sie sich eine längere Auszeit, wie einen Urlaub, um auch mal wieder zu sich zu kommen. -> Braucht ein Pflegender eine Auszeit, zahlt die Pflegekasse eine Vertretung. Der Anspruch auf Verhinderungspflege besteht für vier Wochen, der für Kurzzeitpflege auf bis zu acht Wochen.

So gewinnen Sie kurz Abstand

Wenn Sie Angst haben, die Geduld mit Mutter oder Vater zu verlieren, dann hilft es:

  • … für einige Minuten das Zimmer zu verlassen und mehrmals tief ein- und auszuatmen
  • rückwärts von zehn bis null zählen
  • … sich immer wieder beruhigende Sätze vorsagen, wie: „Ich bleibe gelassen“, „Ich bin nicht persönlich gemeint“
  • Weitere Anregungen und Tipps zum Thema „Achtsamkeit“ finden Sie hier.

So erleichtern Sie Ihren Eltern den Alltag

Wenn die Eltern noch alleine leben wollen, helfen diese Angebote im Alltag:

1) Essen auf Rädern

Angebote der Wohlfahrtsverbänden, aber auch von Metzgereien. Ein Menü kostet 4,50 bis 7 Euro. Unbedingt ein Probe-Essen vereinbaren.

2) Hilfe im Alltag

Soziale Dienste, aber auch private Dienstleister bieten Hilfen im Haushalt, Garten, Fahr- und Begleitservice an. In der Regel wird stundenweise abgerechnet.

3) Besuchsdienste

Ehrenamtliche besuchen Ältere, die wenig Kontakte haben. Koordiniert wird dies meist von Diakonie und Caritas.

4) Hausnotruf

Auf Knopfdruck kommt rund um die Uhr Hilfe. Angebote von Wohlfahrtsverbänden und privaten Dienstleistern, ab 18 Euro im Monat.

Kleine Hilfen im Alltag

Sie erleichtern die Pflege enorm! Scheuen Sie also nicht den Papierkram. Denn diese Hilfen stehen Ihnen zu und verbessern die Lebensqualität der Eltern:

  • Pflegehilfsmittel – wie Badewannenlift oder Rollstuhl. Beim MDK darauf drängen.
  • Spezielle Hilfsmittel – wie Rollatoren und Pflegebetten werden meist ausgeliehen. Wer sie selbst kauft, muss 10% selbst tragen, höchstens 25 Euro.
  • Für Einmal-Artikel – wie Bett-Einlagen, Einmalhandschuhe und Desinfektionsmittel gibt’s zusätzlich 40 Euro im Monat von der Pflegekasse – aber nur auf Antrag
  • Treppenlifte gelten als „Wohnumfeld verbessernde Maßnahme“. Dafür gibt’s bis zu 4 000 Euro Zuschuss. Wichtig: Vor dem Kauf beantragen.

Gute Informationen zum Thema Pflege im Internet

Hier können sich Angehörige mit anderen austauschen und sich seelische Unterstützung holen: