Wieso lassen wir uns herunterziehen?

Wenn es so einfach ist, dass Dankbarkeit das Leben schöner und erfüllter macht, wieso fällt es uns dann trotzdem oft so schwer, die pessimistische Brille abzusetzen? Dieser und anderer Fragen rund um das Glück geht die vergleichsweise junge Forschung der „Positiven Psychologie“ nach.

Die Forscher fanden heraus, dass der größte Stolperstein in unserem evolutionären Erbe liegt: Wer in der Steinzeit überleben wollte, der richtete seinen Fokus auf etwaige Gefahren wie den lauernden Säbelzahntiger. Unser Gehirn hat das abgespeichert und möchte primär, dass wir überleben. Nicht, dass wir glücklich sind. Wer sich dessen nicht bewusst ist, der kann sich um viele schöne Augenblicke des Lebens bringen. Oder andersherum gesagt: Wer sich diese Marotte seines Gehirns bewusst macht und damit arbeitet, der kann seinem Leben einen ganz neuen Schwung verleihen.

Dankbarkeit – Die Voraussetzung für ein glückliches Leben

Eine der großen Schlüssel-Ressourcen auf dem Weg zu einem wahrhaft schönen Leben ist die Dankbarkeit. Und zwar nicht als Konsequenz, sondern als Voraussetzung für Erfüllung und Freude.

Oder – wie es der britische Staatsmann Francis Bacon formulierte:
„Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.“

Und genau hier setzt auch das Dankbarkeitstraining an: Es geht um einen Perspektiv-Wechsel sowie eine gewisse Offenheit und Bereitschaft zum Staunen. Gewiss, das braucht vielleicht etwas Übung. Aber Sie werden staunen, was es in ihrem Leben bewirkt, wenn Sie die Dankbarkeit darin einladen.

Natürlich gibt es auch Situationen, in denen Menschen zu Dankbarkeit nicht in der Lage sind: Etwa wenn sie Schlimmes erlebt haben oder an einer Depression leiden. Dann ist professionelle Hilfe gefragt.

Dankbarkeit hilft und tröstet, doch es sollte nicht zum Allheilmittel werden, um jedes negative Gefühl wegzubekommen. Auch diese haben ihre Daseinsberechtigung. Es geht vielmehr darum, nicht länger als nötig in Wut, Angst oder Hilflosigkeit zu verharren. Und dabei können Übungen und Routinen helfen:
1) Dankbarkeit als Teil der Morgenroutine
Stellen Sie den Wecker ab jetzt jeden Morgen etwas früher (10 Minuten reichen schon) und richten Sie den Fokus auf das Positive. Wenig hat einen kraftvolleren Einfluss auf die Grundstimmung Ihres Tages, als wie sie diesen beginnen. Gehetzt und verunsichert von negativen Nachrichten aus der Presse?
Oder in aller Ruhe mit einer dampfend heißen Tasse Tee oder Kaffee und einem Moment, in dem Sie sich an all das erinnern, wofür Sie dankbar sind? Schon nach kurzer Zeit werden Sie merken, was für einen Unterschied diese Routine in ihrem Leben bewirkt.
Und haben Sie keine Angst, dass Sie es übertreiben, ganz im Gegenteil: Laden Sie sich auf mit diesem Gefühl und baden Sie regelrecht darin.

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2) Ein Glas voll Dankbarkeit
Notieren Sie sich jeden Abend, wofür Sie heute dankbar sind, wer freundlich zu Ihnen war, was Sie Schönes erlebt haben oder gar erreicht haben. Befüllen Sie damit ein hübsches Gefäß – und wenn Sie das Bedürfnis haben, können Sie dieses Glas der Dankbarkeit immer wieder als Seelentröster verwenden.

3) Anderen danken
Drücken Sie Ihre Dankbarkeit aus, wenn Sie diese empfinden. Sei es die Kassiererin im Supermarkt, der nette Mann im Bus oder das kleine Kind, das Ihnen Platz macht. Wer anderen seine Dankbarkeit zeigt und Gutes tut, der wird auch selbst dankbarer.