Aus alten Hemden individuelle Tragetaschen nähen: Mit unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung kein Problem. In rund zwei Stunden wird aus zwei Hemden ein Beutel.

Martina Dankof

Ausgediente Herrenhemden sind zum Wegwerfen viel zu schade. Denn sie liefern das Material für praktische Einkaufsbeutel, die als Alternative zur Plastiktüte lange gute Dienste leisten. Aus zwei alten Hemden wird eine neue Tasche – und das Beste: Jede Tasche ist ein Unikat, denn keine Kombination aus Außenstoff und Futter gibt es zweimal. Ein Einkaufsbeutel ist in gut zwei Stunden genäht.

Das brauchen Sie

    • 2 alte Hemden (je 1 Hemd für Außenstoff und Futter)
    • Rollschneider, Patchworklineal und Schneidematte (alternativ Stoffschere, Maßband und Geodreieck)
    • Schneiderkreide oder Bleistift
    • Stecknadeln
    • Nähmaschine
    • Nähgarn, farblich passend

So wird’s gemacht

Die Stoffteile für die Tasche zuschneiden

    • 2 Rechtecke aus dem Außenstoff (je ca. 38 cm x 48 cm + 1 cm Nahtzugabe an allen Seiten)
    • 2 Rechtecke aus dem Futterstoff (wie Außenstoff)
    • 2 Streifen aus dem Außenstoff für die Henkel (ca. 12 cm x 50 cm)

Schritt 1
Die Größe der Rechtecke und die Länge der Streifen für die Henkel hängen von der Größe der verfügbaren Hemden ab. Außerdem ist das Muster entscheidend. Bei einem Karomuster oder einem Muster ohne erkennbare Richtung kann das Rückenteil eines sehr großen Herrenhemdes das komplette Außen- oder Futterteil der Tasche ergeben: Das größtmögliche Rechteck aus dem Rückenteil zuschneiden und quer mittig zusammenlegen. Der Stoffbruch entspricht dann einer vertikalen Längsseite der Tasche und erspart eine Naht.
Soll ein Streifenmuster auf der Tasche vertikal verlaufen, lässt sich aus dem Rückenteil nur ein Außenteil schneiden, das zweite muss dann aus den beiden Vorderteilen zusammengesetzt werden. Die Henkel aus den Ärmeln oder aus Resten von Vorderteilen und Rückenteil zuschneiden und gegebenenfalls zusammensetzen.

Schritt 2
Die Zuschnitte für Außenteil und Futter jeweils rechts auf rechts aufeinanderlegen und an den beiden Längsseiten (falls nicht eine durch den Stoffbruch ohnehin geschlossen ist) und an der unteren Schmalseite zusammennähen. Die Stoffkanten können zuvor mit Zickzackstichen versäubert werden, aber das ist nicht unbedingt nötig, weil alle Kanten im Inneren der Tasche eingeschlossen werden.
Achtung: An einer Längsseite des Futters ein etwa 10 cm langes Stück Naht zum Wenden der Tasche offen lassen.

Die Streifen für die Henkel rechts auf rechts der Länge nach falten und entlang der offenen Längsseite zusammennähen. Die so entstandenen Schläuche wenden, bügeln und knappkantig an beiden Längsseiten absteppen.

Schritte 3 bis 10

Schritt 3

Schritt 3

Für den Boden die unteren Ecken an Außenteil und Futter abnähen. Ecke so falten, dass Seiten- und Bodennaht übereinanderliegen, und mithilfe eines Patchworklineals oder Geodreiecks 4 cm vom Ende der Naht aus quer eine Linie mit Schneiderkreide oder Bleistift ziehen. Auf dem Foto markiert die Stecknadel die Naht, an der entlang gemessen wird.

Auf der vorgezeichneten Linie steppen.

Schritt 4

Schritt 4

Die Ecke 1 cm von der Naht entfernt abschneiden.

Schritt 5

Schritt 5

Das Außenteil der Tasche auf rechts wenden. Die Henkel an der offenen Kante feststecken und annähen (Naht max. 1 cm von der Kante entfernt). Beim abgebildeten Beispiel sind die äußeren Kanten der Henkel jeweils 6 cm von den Außenkanten der Tasche entfernt. Die Schmalseiten der Henkel schließen mit der Oberkante der Tasche ab.

Schritt 6

Schritt 6

Das Futter rechts auf rechts über das Außenteil der Tasche ziehen: Die Außenseiten beider Teile zeigen also zueinander.
Beim Futter liegt die linke Seite außen. Beide Teile rund um die Oberkante mit 1 cm Nahtzugabe zusammennähen.

Schritt 7

Schritt 7

Das Außenteil durch die Öffnung des Futters ziehen, das Innenteil dabei umstülpen.

Schritt 8

Schritt 8

Jetzt sind beide Teile an der Oberkante miteinander verbunden und liegen mit der rechten Seite nach außen vor Ihnen. Die Henkel sind in der oberen Naht eingeschlossen. Die Wendeöffnung im Futter mit unsichtbaren Stichen von Hand oder knappkantig mit der Nähmaschine schließen und das Futter in das Außenteil der Tasche schieben.

Schritt 9

Schritt 9

Die Oberkante der Tasche sorgfältig bügeln und knappkantig rundherum absteppen.

Schritt 10

Schritt 10

Fertig ist die Tasche für den Einkaufsbummel!


Idee und Ausführung: Eva Leipold, Fotos: Helene Weinold (www.knopfwerkstatt.de)

Evas Profi-Tipps

    • Manchmal integriere ich weitere Teile der Hemden in den Einkaufsbeutel. So schneide ich beispielsweise das Futter so zu, dass die Brusttasche eines Vorderteils als Innentasche im Beutel dient. Manche Kragenstege oder Manschetten – beispielsweise von Trachtenhemden aus robustem Leinen – nähe ich an der Oberkante an und halte mit diesem Verschlussriemen und einem Knopf den gerollten Beutel zusammen.
    • Wenn der Stoff knapp ist, setze ich für die Außenteile einen einfarbigen Stoff unten an den Hemdenstoff an: Das ergibt einen interessanten Farbeffekt und setzt den Boden der Tasche zusätzlich ab.
    • Statt ausgemusterter Hemden lassen sich diese Einkaufsbeutel auch aus den intakten Teilen fadenscheiniger Bettwäsche, alten Jeans, Leinen- oder Cordhosen nähen.
    • In Taschen aus einem festeren Stoff lässt sich eine praktische Einteilung einarbeiten: Einen Streifen Futterstoff in der Breite des Futters und 30 cm Höhe rechts auf rechts zusammenlegen und entlang der Längsseite mit 1 cm Nahtzugabe zusammennähen. Den doppelten Streifen wenden und entlang des Stoffbruchs knappkantig absteppen. Diesen 13 cm hohen Streifen in der gewünschten Höhe quer auf die rechte Seite eines Futterteils stecken und an den Seiten sowie entlang der Unterkante des Streifens annähen. Linien für die gewünschte Fächereinteilung mit Patchworklineal und Schneiderkreide vorzeichnen und mit der Nähmaschine steppen. Dann die beiden Futterteile rechts auf rechts zusammennähen (Wendeöffnung nicht vergessen!) und weiterarbeiten, wie in der Anleitung ab Schritt 3 beschrieben.

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