Weitere Internetseiten von Bayard-Media:
Ratgeber Geld & Recht

Mehr Krankheitskosten absetzen

Das neue Urteil vom Bundesfinanzhof regelt, dass mehr Krankheitskosten bei der Steuer geltend gemacht werden können.

©shutterstock.com/ Gunnar Pippel
©shutterstock.com/ Gunnar Pippel

Wer krank ist und hohe Ausgaben für die Gesundheit hat, kann künftig mehr Geld bei der Steuer geltend machen, urteilte jetzt der Bundesfinanzhof: Es müsse anders gerechnet werden (Stand 2017).

Selten kommentieren oberste Richter ihre Urteile derart klar: „Das Urteil wird weitreichende Bedeutung über den § 33 des Einkommensteuergesetzes haben“, so die obersten Finanzrichter (VI R 75/14). Wohl wahr: Denn was der Bundesfinanzhof festlegte, dürfte auch andere Rechtsgebiete beeinflussen.

Im Kern haben die Richter die bisherige Art verworfen, wie die zumutbare Belastung für Krankheitskosten berechnet wird:

Bisher galt

Je nach Höhe des Einkommens wurde dieses mit einem Prozent-Wert multipliziert, der dann die selbst zu zahlende Eigen-Belastung zeigte. Nur was darüber lag, konnte steuerlich abgesetzt werden. Das führte bisher dazu, dass das Überschreiten der Grenze um nur einen Euro zur x-fach höheren Belastung führte.

Beispiel: Wer als Alleinstehender 51.130 Euro Einkommen je Jahr hatte, musste 6 % = 3.067,80 Euro selbst tragen. Wer nur einen Euro mehr Einkommen hatte, also 51.131, musste 7 % selbst tragen, also 3.579,17 Euro – über 500 Euro mehr.

Das ist neu

Das geht nicht, sagten die Finanzrichter und ordneten eine neue Rechnung an: Das Einkommen wird auf die einzelnen Einkommensgruppen verteilt – und mit dem dort geltenden Prozentsatz bewertet. Die Folge: Die zumutbare Eigenbelastung sinkt für jeden – wer höhere Krankheitskosten hat, kann diese nun viel schneller steuerlich absetzen.

Absetzbar sind als außergewöhnliche Belastungen die Kosten für Krankheit, Kur, Pflege, Bestattung, aber auch für eine Wiederbeschaffung nach einer Katastrophe (Hochwasser) sowie Unterhalt an Bedürftige.

Dazu zählen:

  • Hörgerät
  • Brille
  • Rollstuhl
  • Akupunktur
  • Heilpraktiker
  • verordnete Massagen
  • Zuzahlung für Arznei

Berücksichtigt wird nur, was ärztlich verordnet ist und nicht von der Kasse übernommen wird. Nicht absetzbar ist, was man vorbeugend tut, um die Gesundheit zu stärken: Diät, Vitaminpräparate, Zahnreinigung.

 

Letzte Version vom 9. Juni 2020

Das könnte Sie auch interessieren:

  • Rentner haben Anspruch auf RehaRentner haben Anspruch auf Reha Auch wer schon in Rente ist, hat noch Anspruch auf diese Art der medizinischen Vorsorge. Lesen Sie mehr.
  • Rentenkasse bewilligt Reha – Pflicht zum Annehmen?Rentenkasse bewilligt Reha – Pflicht zum Annehmen? Gerade zu Corona-Zeiten ist man verunsichert: muss man eine bewilligte Reha annehmen? Und (wann) besteht eine Pflicht zur Absage?
  • Die eigenen Eltern pflegenDie eigenen Eltern pflegen Wenn man vor der Frage steht, ob man die eigenen Eltern pflegen kann, ist es wichtig sich alle nötigen Informationen einzuholen. Unser großes Pflege-Dossier hilft dabei:
  • Das Studium der Kinder absetzenDas Studium der Kinder absetzen Immer mehr junge Leute studieren; aber immer weniger erhalten Bafög. Also müssen Eltern einspringen, um das Studium ihrer Kinder zu finanzieren. Doch was davon ist jetzt von der Steuer […]
  • Weniger Steuern vorauszahlenWeniger Steuern vorauszahlen Oft verlangt das Finanzamt von Rentnern bei der Einkommensteuer zu hohe Vorauszahlungen. Was tun? Sich schriftlich wehren.
  • Versicherungen für E-Bikes: Augen auf!Versicherungen für E-Bikes: Augen auf! Fahrradfahren mit Unterstützung durch einen Elektromotor wird immer beliebter. Weil E-Bikes teuer sind, fragen sich viele Käufer, ob sich nicht eine Versicherung lohnt. Darauf sollten Sie achten:

Kommentare sind geschlossen.