Die Rentenkasse bietet seit Mitte 2017 jedem ab 50 extrem lukrative Möglichkeiten, Abschläge zu reduzieren oder die Rente zu erhöhen oder einen Mix aus beidem. Und dieses neue Angebot schlägt auch jeden Spar-Vertrag einer Bank. Selbst Finanz-Experten loben das Flexi-Renten-Gesetz.

Eine Analyse der Deutschen Rentenversicherung (DRV) zeigt außerdem, dass die Zahl der Versicherten, die Sonderbeiträge eingezahlt hat, von 2017 (11 620) auf 2018 (17 086) um knapp 50 Prozent gestiegen ist. Die Zahlen für 2019 liegen noch nicht vor.

Flexi-Rente

Der Kern des Gesetzes ist einfach:

  • Seit 1. Juli 2017 kann jeder ab 50 eine spezielle Renten-Auskunft anfordern. In dieser Auskunft nennt die Rentenkasse die zu erwartenden Renten, die Abschläge bei einem früheren Rentenbeginn (etwa mit 63), aber auch den Betrag, den man freiwillig einzahlen kann, um diese Abschläge auszugleichen.
  • Neu ist, dass man diesen Betrag ganz oder teilweise freiwillig einzahlen kann, völlig unabhängig davon, ob man eine vorgezogene Rente mit 63 in Anspruch nimmt oder nicht.
  • Mehr noch: Zum ersten Mal kann die Rentenkasse als Bank genutzt werden. Das heißt, die Einzahlungen können als normale Altersvorsorge angesehen werden, die die spätere Rente sogar zusätzlich erhöhen – als Alternative zu einer privaten Rentenversicherung oder auch einem staatlich geförderten Riester-Vertrag. Das heißt: Auch wer gar nicht plant, früher in Rente zu gehen, kann die eigenen Rentenansprüche durch den „Ausgleichsbetrag“ erhöhen, um später jeden Monat mehr Rente zu erhalten.
  • Und das lohnt! Aktuelle Studien zeigen: Die Rentenkasse liefert derzeit gut 3 Prozent „Rendite“ pro Jahr – der Garantie-Zins einer privaten Police liegt seit Januar 2017 bei gerade noch 0,75 Prozent. Verständlich, dass die privaten Versicherungen etwas unruhig werden.

Vorteile

  • Die Einzahlungen müssen nicht mehr in einer Summe erfolgen, sondern können, wie bei einem normalen Sparvertrag, in Raten geleistet werden. Allerdings geht es nicht, wie beim normalen Sparvertrag einer Bank, um monatliche Raten, sondern um maximal zwei jährliche Raten.
  • Beiträge zur Rentenversicherung können von der Steuer abgesetzt werden. Der Höchstbetrag für 2019 liegt bei 24.305 Euro.
  • Die Flexibilität, denn man muss sich nicht festlegen: Man kann beispielsweise dieses Jahr eine Rate leisten, nächstes Jahr zwei, im Jahr darauf jedoch keine, wenn es nicht passt.
  • Durch die Flexi-Rente steigt die Witwen-/Witwer-Rente, so kann dies indirekt auch als bessere, indirekte Vorsorge für Hinterbliebene gesehen werden

Nachteile

  • Für jeden Monat, den man früher in Rente gehen möchte, muss man einen Abschlag von 0,3 Prozent in Kauf nehmen, so die Gesetzeslage. Sonderzahlungen, die dies für mehrere Jahre ausgleichen sollen, gehen daher sehr schnell in hohe fünfstellige Bereiche. Und anders als bei einem Sparvertrag, ist das Geld hier nicht wieder zurückzahlbar – was einmal bei der Rentenkasse ist, bleibt dort.
  • Erlebt man das Rentenalter nicht oder stirbt mit Ende 60, hat man von einer abschlagsfreien Rente und den investierten Sonderzahlungen wenig.