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Coronavirus: Reisen kostenlos stornieren?

Die meisten haben den oder die Urlaube in diesem Jahr längst gebucht, manche sogar schon (an)gezahlt. Doch was passiert, wenn die Reise wegen Corona nicht stattfinden kann?

Italien ist derzeit das europäische Land mit den meisten Corona-Erkrankungen. Deshalb wurde das Land nun von der Regierung komplett zum Sperrgebiet erklärt, die Italiener sind angehalten, zu Hause zu bleiben. Das Robert-Koch-Institut hat Teile Norditaliens zur Risikozone erklärt – aktuelle Informationen zu sämtlichen Risikogebieten finden Sie hier!

Viele Urlauber stehen derzeit vor der Frage: Kann ich meinen Urlaub kostenlos stornieren oder umbuchen?

Unterschiede bei Pauschal- und Individualreisen

Was, wenn die Reise nicht stattfinden kann?

Rechtlich relevant ist vor allem, um welche Art Reise es sich handelt:

Bei einer Pauschalreise ist man relativ gut abgesichert – kann die Reise nicht stattfinden, muss der Preis bzw. die Anzahlung zurückgezahlt oder eine Umbuchung angeboten werden. Hier ist der Veranstalter in der Pflicht. Weshalb die Reise nicht stattfinden kann, also ob Einreise-Beschränkungen gelten, Quarantäne oder ähnliches, ist unerheblich.

Anders sieht es bei individual gebuchten Reisen aus. Hier kommt es zuerst darauf an, wo gebucht wurde. Wer Hotel oder Mietwagen z.B. über eine deutsche Internet-Seite gebucht hat, hat das deutsche Recht auf der Seite – es muss nichts gezahlt werden, wenn die Leistung nicht in Anspruch genommen werden kann. In diesem Fall an die deutsche Internet-Seite (gilt als Vermittler) wenden – und die kostenfreie Stornierung verlangen. Die meisten Hotelketten und Buchungsportale haben bereits kulante Lösungen angeboten. In der Regel werden Umtausch bzw. Gutschein für eine spätere Reise angeboten. Das Rückzahlen einer Anzahlung muss explizit gefordert werden.

Und was ist, wenn man die Reise gar nicht mehr antreten möchte?

Dann gibt es wieder unterschiedliche Regeln für Pauschal- und Individualreisen. Die meisten Reise-Veranstalter haben großzügige Storno-Regeln angekündigt. Meist wird ein Umbuchen ermöglicht oder ein Gutschein; auf Nachfrage auch die Rückerstattung des Preises. Wichtig: Wird eine Pauschalreise durchgeführt, ein wichtiger Programmpunkt z.B. das Besichtigen von Kirchen, Museen, usw. bei einer Städtereise kann nicht angeboten werden, weil diese geschlossen sind, dann kann auch vom Vertrag zurückgetreten werden. Hier greift ein Sonderkündigungsrecht, das gerade erst der Bundesgerichtshof bestätigt hat – in verhandelten Fall wurde die Kündigung erlaubt, weil auf einer China-Reise wegen Corona die chinesische Mauer nicht besichtigt werden konnte.

Wer als Individualtourist nicht mehr reisen möchte, Hotel oder Ferienwohnung im Ausland selbst gebucht hat, muss sich mit dem Vermieter bzw. dem Hotel einigen. Hier gilt allerdings immer das ausländische Recht.

Zugtickets und Flugreisen umbuchen oder stornieren

Gleiches gilt für Flüge: Zuständig ist immer die Buchungsstelle – wer über ein Reiseportal gebucht hat, sollte sich zuerst dorthin wegen einer Stornierung wenden. Kann ein Flugziel generell nicht angeflogen werden, ganz gleich ob es eine Einreise-Beschränkung gibt oder ob deutsche Touristen das Visum entzogen wurde, kann kostenfrei storniert bzw. umgebucht werden.

Fluggesellschaften bieten neben großzügigen Storno- auch Umtauschregeln an: Bei Lufthansa beispielsweise können alle bis 31. März gebuchten Flüge kostenlos auf einen neuen Termin im Lauf des Jahres umgebucht werden; und wer einen Flug bis 12. März gebucht hat und bis 30.April fliegen wollte, kann kostenlos stornieren. Entschädigungen für nicht stattgefundene Flüge soll es nicht geben – die Fluggesellschaften berufen sich auf höhere Gewalt.

Bei Bahnreisen bietet die Deutsche Bahn, aber auch andere ausländische Bahngesellschaften, ähnliche Modelle an – auch z.B. für Sparpreise, die eigentlich vom Storno ausgeschlossen sind.

Was gilt bei Kreuzfahrten?

Auch die meisten Reedereien von Kreuzfahrten sind kulant. Allerdings unterscheiden sich die Storno-Bedingungen im Detail: Bei Costa z. B. können alle im März gebuchten Kreuzfahrten die kostenlose Stornierung bis einen Tag vor der Abreise; allerdings nur für Reisen, die im März und April starten; MSC lässt für alle von März bis Juni startenden Mittelmeer-Kreuzfahrten kostenlose Umbuchungen bis Februar 2021 zu; Cunard erlaubt für alle Kreuzfahrten bis 31. August die Stornierung bis 48 Stunden vor Abfahrt. In jedem Fall gilt aber: Mit der Reederei direkt sprechen, falls man aus Angst nicht reisen möchte.

Wichtig dabei: Eine Reiserücktritt-Police zahlt nicht, wenn man aus Angst vor einer Krankheit nicht reist, sondern nur wenn man vor Reise-Antritt erkrankt.

Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes

Das Auswärtige Amt bewertet die Sicherheitslage weltweit und gibt gegebenenfalls Teilreise- und Reisewarnungen für von Krisen betroffene Länder heraus. Auf der Webseite des AA finden Sie Infos zu Teilreisewarnung und aktuellen Bestimmungen für die Ein- und Ausreise in Länder weltweit.

 

Letzte Version vom 16. März 2020

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