Es ist mal aufgewühlt, mal ruhig, mal türkisblau oder dunkel-grün. Doch immer erfrischend, lebendig, kraftspendend: „Kein anderes Mittel ist mannigfaltiger in seiner Wirkung als Wasser“, stellte schon der „Wasser-Pfarrer“ Sebastian Kneipp vor rund 150 Jahren fest. Zwei Drittel der Erde sind damit bedeckt, wir selbst bestehen zu etwa 70 Prozent aus Wasser.

Wer schwimmt, stärkt das Herz-Kreislauf-System und seine Muskeln, schont die Gelenke und fördert die Durchblutung. Die positiven Auswirkungen von Wasser auf Körper und Geist bestätigt auch die Regensburger Physiotherapeutin und Medizinpädagogin Michelle Friedrich. „Dabei ist es egal, ob wir darin entspannen oder uns bewegen“, sagt sie. „Wer eintaucht, schaltet ab.“

Für Ältere sei Bewegung im Wasser sogar die beste Therapie:

Menschen mit Rückenproblemen können schonend ihre Muskulatur stabilisieren, Arthrose-, Adipositas- oder Rheuma-Patienten fühlen sich im Wasser wieder leicht und frei.

„Bei chronischen Schmerzen erleichtert Wasser das Leben deutlich“, bestätigt die Expertin. Aquafitness gilt sogar als bis zu fünfmal effektiver als entsprechende Übungen an Land.

16 Seiten übers Wasser

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Das Zusammenspiel aus Warm und Kalt

Auch die Wärmeleitfähigkeit von Wasser ist einzigartig. Sie führt dazu, dass wir Temperaturen intensiver spüren als an der Luft: Warm wirkt wärmer, kalt kommt kälter daher. „Dies macht das Element zu einem wichtigen Medium der Naturheilkunde, deren Grundprinzip das Zusammenspiel von Reiz und Reaktion ist“, erklärt der Mediziner Dr. Johannes Naumann, Leiter des Instituts für Physikalische Therapie und Balneologie in Freiburg.

Der Experte arbeitet rund 300 Kilometer westlich von Bad Wörishofen, wo der „Wasser-Pfarrer“ Sebastian Kneipp (1821 – 1897) gewirkt hat. Als junger Mann heilte Kneipp seine schwere Lungenentzündung durch tägliches Baden in der eiskalten Donau. Heute ist seine Lehre als Hydrotherapie weltbekannt. Sie setzt mit kaltem oder warmem Wasser gezielt Reize, auf die der Körper reagiert und lernt, sich selbst zu regulieren. Das aktiviert die 

körpereigenen Selbstheilungskräfte. Dr. Johannes Naumann ist überzeugt: „Wer flexibel auf äußere Reize reagieren kann, stärkt das Körpersystem und damit seine Gesundheit.“

Warmes Wasser entspannt und regt die Durchblutung an, kaltes Wasser hingegen wirkt schmerzlindernd und entzündungshemmend, die Gefäße ziehen sich zusammen. Am besten wirken Anwendungen, bei denen sich Wärme- und Kältereize abwechseln, wie beispielsweise die morgendliche Wechseldusche.

Doch nicht nur rein körperlich tut uns das kühle Nass gut, sondern auch der Seele:

Der menschliche Instinkt

Der „Biophilia-Effekt“ bezeichnet das Band zwischen Mensch und Natur. Der amerikanische Biologe Edward O. Wilson formulierte
 bereits 1984 die Biophilia-Hypothese: Demnach ist die Liebe zur Natur, die Sehnsucht, im Wald zu spazieren oder in einem Fluss zu baden, angeboren.

Der kalifornische Meeresbiologe Wallace J. Nichols hat es in seinem Buch „Blue Mind“ vor einigen Jahren sehr gut auf den Punkt gebracht: „Wir spüren instinktiv, dass uns die Nähe zum Wasser gesünder und glücklicher macht, Stress reduziert und innere Ruhe bringt. Es versetzt uns in einen meditativen Zustand.“ Gemeinsam mit Neurowissenschaftlern, Psychologen, Ärzten und Sportlern untersuchte er die Frage:

Was passiert, wenn unser komplexestes Organ, das Gehirn, auf das größte Wesensmerkmal unseres Planeten, das Wasser, trifft?

Seine Antwort: „Blue Mind“. Wir erreichen einen Zustand der Glückseligkeit.