Gelenkverschleiß als Hauptgrund

2018 haben rund 150 000 Frauen und Männer eine neue Hüfte bekommen, so der aktuelle Jahresbericht des Endoprothesen-Registers Deutschland. Der Anteil der Frauen lag mit 60 Prozent etwas höher als bei den Männern. Und: Fast jeder dritte Patient war beim Eingriff jünger als 65 Jahre.

In den meisten Fällen ist ein Gelenkverschleiß der Grund für ein Implantat. Entweder, weil der Knorpel, der als Schutzschicht zwischen den Gelenken liegt, übermäßig abgenutzt oder der an Hüftkopf bzw. -pfanne beschädigt ist – die Mediziner sprechen dann von einer Cox-Arthrose.

Weitere Auslöser für eine Hüftarthrose:

  • Angeborene Fehlstellung (Hüftdysplasie)
  • Unfälle
  • Verletzungen

„Eine Arthrose ist oft anlagebedingt. Hatten beispielsweise schon die eigenen Großeltern oder Eltern die Krankheit in der Hüfte, so tritt sie häufig auch bei Tochter oder Sohn auf“, erklärt Prof. Karl-Dieter Heller, Leiter des Endoprothetik-Zentrums am Herzogin Elisabeth Hospital in Braunschweig. „Ursache scheint eine erbliche Komponente bei der Knorpelqualität des Hüftgelenks zu sein.“

Eine Arthrose beginnt mit Schmerzen im Bereich der Hüfte oder der Leiste, gefolgt von Problemen beim Loslaufen oder Treppenabstieg. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollten Sie einen Orthopäden aufsuchen und sich untersuchen lassen.

Dann ist eine Hüft-OP sinnvoll

„Erst wenn die Schmerzen so stark sind und die Mobilität so sehr einschränken, dass die Lebensqualität extrem darunter leidet, ist der Zeitpunkt für eine Operation gekommen“, sagt Prof. Dieter Wirtz, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie. Ein entsprechender Röntgenbefund allein darf nicht der Grund sein, einen Eingriff vorzunehmen, der Patient muss sich vielmehr selbst dafür entscheiden, betont der Experte.

Wichtig ist, dass zuvor alle konservativen Maßnahmen ausprobiert wurden. Dazu gehören:

  • Krankengymnastik
  • Physiotherapie
  • Schuhe mit weicheren Absätzen tragen
  • Entzündungshemmende Medikamente (nicht steroidale Antirheumatika wie Ibuprofen).

Das erwartet Sie bei der OP

Wann immer möglich, erfolgt eine Operation minimal-invasiv: „Das hat nichts mit der Größe des Schnitts zu tun. Es bedeutet vielmehr, dass durch Muskel-Lücken operiert wird, Muskeln müssen nicht abgelöst oder durchtrennt werden. Muskelschonend ist daher der bessere Ausdruck“, so der Experte.

Innerhalb der letzten 30 Jahre hat sich die Chirurgie in Sachen Hüftgelenk-Ersatz stark weiterentwickelt. Die ersten Prothesen wurden ausschließlich mit einem speziellen Kunststoffgemisch (umgangssprachlich auch „Knochenzement“ genannt) auf oder in den zurechtgesägten Knochen eingebracht. Heute wird meist zementfrei eingesetzt. Das ermöglicht eine spezielle Behandlung der Implantate. Dabei wird z. B. mit Laserstrahlen die Oberfläche aufgeraut, die dann Knochenzellen Halt bietet. So ist das Implantat fest verankert und kann in den gesunden Knochen einwachsen. Roboter kommen – anders als bei Knie-Implantaten – bei Hüft-OPs seit Jahren nicht mehr zum Einsatz.

Der Eingriff dauert etwa eine Stunde und zählt zu den 20 häufigsten in Deutschland durchgeführten Operationen. „Weit mehr als 90 Prozent der Patienten sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden“, bestätigt Prof. Wirtz. Ein neues Hüftgelenk nimmt nicht nur Schmerzen, es mindert durch die wiedergewonnene Bewegungsfreiheit auch das Risiko für andere Erkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Beschwerden. Und es bringt Lebensqualität zurück.

Wie Sie geschulte Chirurgen finden und was Sie beim Sex mit der neuen Hüfte beachten sollten, lesen Sie in unserer Ausgabe 12/20.