Weitere Internetseiten von Bayard-Media:
Ratgeber Fit & Gesund

Corona: Gibt es in Deutschland genügend Beatmungsgeräte?

Viele, vor allem ältere Menschen befürchten durch die Corona-Pandemie einen Mangel an Beatmungsgeräten auf den Intensivstationen. Diese Furcht ist aber unbegründet, weiß der Experte Prof. Berthold Jany.

©Shutterstock/MikhailPopov
©Shutterstock/MikhailPopov

Das Coronavirus ist nicht nur für ältere Menschen gefährlich, sondern auch für Personen mit Lungenkrankheiten, denn es greift die Atemwege an. Viele Menschen, die zu einer Risiko-Gruppe gehören, fürchten daher einen Engpass bei der Versorgung mit Beatmungsgeräten. Diese Furcht ist aber unbegründet, versichert der Mediziner Prof. Berthold Jany von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) gegenüber Frau im Leben.

Prof. Jany, gibt es aktuell einen Mangel an Beatmungsgeräten?

Den gibt es zum Glück nicht. Aktuell besteht kein Engpass und somit auch kein Grund zur Sorge. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und das Robert Koch-Institut (RKI) haben zusammen mit der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) wohlweislich ein Intensivregister erstellt. Über die Webseite www.divi.de/intensivregister können Ärzte den aktuellen Stand über freie Beatmungsplätze in allen Kliniken Deutschlands abrufen. Auch für Feuerwehr, Rettungsdienste, Patientenberatungen und provisorisch eingerichtete Corona-Kliniken bietet das Register die Möglichkeit, schnell freie Betten zu finden. Ein einfaches Ampelsystem signalisiert mit Rot, Gelb oder Grün die Verfügbarkeiten der jeweiligen Klinik. Das gewährleistet bundesweit eine schnellere und unkomplizierter Versorgung von Betroffenen.

Benötigt ein CODIV-19-Patient automatisch eine künstliche Beatmung?

Nein. Generell muss man sagen, dass die genaue Zahl der Infizierten in Deutschland ungewiss ist. Denn viele tragen den Virus in sich, zeigen aber keine Symptome. Daher sind nur die Zahlen von stationären Patienten bekannt. Aktuell liegen rund 1 220 Bundesbürger auf Intensivstationen, die allerdings nicht künstlich beatmet werden müssen. Von denen, die eine Beatmung benötigen – hier gibt es leider keine zuverlässigen Zahlen – zählen wiederum nur etwa 64 Patienten als schwerstkranke Beatmungs-Patienten, die eine sogenannte Ecmo benötigen: eine extrakorporale Membran-Oxygenierung. Es sind jedoch aktuell über 300 dieser Geräte frei. Nur ein Beispiel, das deutlich macht: Eine medizinische Ausstattung ist zu Genüge vorhanden, wir müssen nur Acht geben, dass es auch ausreichend geschultes Personal gibt, das die entsprechenden Geräte bedienen kann.

Steigt das Risiko mit dem Alter, künstlich beamtet werden zu müssen?

Ja, das tut es. Ältere Menschen treffen Infektionen leider immer härter, weil das Immunsystem von Grund auf schwächer ist und sie meist schon mehrere Erkrankungen haben. Das bedeutet: Je älter man ist, desto höher ist auch das Risiko, künstlich beatmet werden zu müssen, weil eine Krankheit schwerwiegender verläuft, und sich zum Beispiel leichter eine Lungenentzündung bildet.

Wie wird entschieden, wer für eine Beatmung Vorrang hat?

Es ist nach den deutschen Richtlinien unzulässig, aufgrund des Alters oder sozialer Kriterien eine Entscheidung zu treffen. Und: Corona-Erkrankte dürfen auch nicht vor Krebs- oder Schlaganfall-Patienten bevorzugt werden. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) hat vorsorglich zusammen mit sieben anderen medizinischen Fachgesellschaften einen Kriterien-Katalog entworfen, der dem medizinischen Personal helfen soll, im Notfall entscheiden zu können, wer bei der Versorgung Vorrang hat. Dabei sind Fragen wie diese hier entscheidend: Wie ist der allgemeine Gesundheitsstatus? Welche Vorerkrankungen hat der Patient? Wie hoch ist der Sauerstoffgehalt im Blut? Doch, wie schon gesagt: Einen Mangel an Beatmungsgeräten gibt es derzeit nicht.

Link-Tipp

Prof. Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), erklärt den Kriterien-Katalog, der festlegt, welche Patienten intensivmedizinisch behandelt und welche palliativmedizinisch versorgt werden, wenn die Intensivbetten und Ressourcen knapp werden sollten.
Janssens: „So ist es nicht zulässig, nach dem kalendarischen Alter oder nach sozialen Kriterien zu entscheiden!“ In Deutschland werde nicht dem 80-Jährigen von vornherein die Behandlungsmöglichkeit verweigert. „Wir haben uns ganz klar gegen das Kriterium „Alter“ entschieden und wollen sehr viel differenzierter vorgehen.
Hier finden Sie die komplette Pressemitteilung.

Letzte Version vom 6. April 2020

Das könnte Sie auch interessieren:

Kommentare sind geschlossen.