Wie wirkt der Impfstoff?

„Es handelt sich um keinen typischen Tot- oder Lebend-Impfstoff, der normalerweise zum Einsatz kommt, sondern um einen sogenannten Boten-RNA-Impfstoff, kurz mRNA“, sagt der Frankfurter Virologe Dr. Martin Stürmer. „Diese Form der Ribonuklein-Säure ist wie eine Bauanleitung, die genetische Informationen für den Eiweiß-Aufbau in einer Zelle besitzt. Man kann auch sagen, dass mRNA ein kleines Stück Erbmaterial ist“, ergänzt der Experte. „Umhüllt von Nano-Partikeln wandert die mRNA in die Zellen des Körpers und veranlasst sie, ein bestimmtes Eiweiß vom Virus nachzubauen. Das ruft eine Immun-Antwort hervor, die dazu führt, dass das Virus abgetötet wird.“

Wie sicher ist er?

„Der Impfstoff ist sehr sicher“, betont Dr. Stürmer. Wären die Daten der Hersteller nicht ausreichend gewesen, hätten Sie für Deutschland keine Zulassung erhalten. Rund 44 000 Menschen haben bereits den Impfstoff der deutschen Firma BioNTech in Zusammenarbeit mit dem US-Partner Pfizer bekommen, der kurz vor Weihnachten von der EU-Kommission zugelassen wurde. Bei den Impfungen kam es zu keinen starken Nebenwirkungen. Schmerzen an der Einstichstelle, Kopfweh, Erschöpfung oder leichtes Fieber sind möglich. „Das sind aber alles normale Begleiterscheinungen, die bei jeder Impfung auftreten können. Sie zeigen, dass das Immunsystem arbeitet“, sagt der Experte. Was man zudem weiß: Impfstoffe mit dem mRNA-Prinzip wurden bisher zwar noch nicht eingesetzt, aber bereits seit gut zehn Jahren erforscht, u. a. für den Kampf gegen Tollwut, Krebs und das Zika-Virus.

Zudem kommen mRNA-Impf­stoffe ohne Wirkverstärker aus, die im Verdacht stehen, Nebenwirkungen auszulösen. „Die Angst, dass sich die DNA verändern kann, ist unbegründet“, beruhigt Dr. Stürmer. Die Verträglichkeit des Impfstoffs wird außerdem auch nach der Zulassung überprüft. Das dafür zuständige Paul-Ehrlich-Institut erwartet nicht nur Rückmeldung von Herstellern und Ärzten, sondern auch von Patienten – am besten über die Webseite www.nebenwirkungen.bund.de.

Wie viele Impfungen sind nötig?

Zwei. Beide in den Arm. Der Abstand dazwischen beträgt drei Wochen.

Wie gut ist der Schutz gegen das Virus?

Laut Aussagen der Firmen BioNTech (Deutschland) und Moderna (USA) besitzen ihre Impfstoffe eine Wirksamkeit von 95 Prozent. Damit wäre die Erfolgsrate gleich gut wie bei Masern und sogar höher als bei der Grippe-Impfung (Influenza). Der Schutz tritt laut Herstellern rund zwei bis drei Wochen nach der zweiten Impfung ein. Beim Impfstoff der Firma AstraZeneca aus Großbritannien beträgt die Wirksamkeit rund 70 Prozent. CureVac aus Deutschland befindet sich noch in der Entwicklung, daher gibt es noch keine Daten. „Unklar ist aber noch, ob die Impfung verhindert, dass man andere ansteckt“, sagt Dr. Martin Stürmer. Der Experte befürchtet außerdem, dass die Immunität vielleicht nur ein Jahr halten wird. „Möglicherweise brauchen wir künftig jedes Jahr eine Corona-Impfung.“

Nach bisherigen Erkenntnissen gehen Forscher davon aus, dass der Impfstoff auch gegen die in Großbritannien festgestellte Mutation des Corona-Virus wirkt.

Unterscheiden sich die Impfstoffe?

„Die von BioNTech und Moderna basieren auf demselben mRNA-Prinzip“, so der Virologe. „Der Hersteller AstraZeneca verwendet zum Einschleusen des Virus-Eiweißes statt Nanopartikeln einen sogenannten Vektor-Virus. Der ist ungefährlich“, versichert Dr. Stürmer. Der Erreger wird mit Bestandteilen des Corona-Virus bestückt und ruft wie der mRNA-Wirkstoff eine Immun-Reaktion hervor, sodass sich im Organismus Antikörper bilden. Die Ständige Impfkommission (STIKO) rät aktuell zu keinem bestimmten Hersteller. „Einen Impfstoff frei wählen zu können ist sehr wahrscheinlich nicht möglich. Der Hausarzt wird den verabreichen, den er vorrätig hat“, vermutet der Experte.

Wer wird zuerst geimpft?

Folgende Zielgruppen werden zuerst geimpft:

  • Menschen über 80 Jahre
  • Menschen, die in stationären Einrichtungen behandelt, betreut oder gepflegt werden oder dort tätig sind
  • Pflegekräfte in ambulanten Pflegediensten
  • Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen (z. B. Intensivstationen, Notaufnahmen, Rettungsdienste, Palliativversorgung, Impfzentren, Bereiche mit infektionsrelevanten Tätigkeiten)
  • Personal in medizinischen Einrichtungen, die Menschen mit einem hohen Risiko behandeln, betreuen oder pflegen (z. B. Hämato-Onkologie, Transplantationsmedizin)

Für die Priorisierung von Einzelfällen (z. B. Erwachsene mit einer Herztransplantation oder lungenkranke Kinder) wertet die STIKO zusammen mit dem Robert Koch-Institut (RKI) laufend die Datenlage neu aus, um ethisch vertretbare, aber auch praktikable Empfehlungen zu geben. Der Bund bekommt den Impfstoff von der EU zugeteilt und leitet diesen an zunächst ca. 60 Zwischenlager in Deutschland weiter. Danach übernehmen die Bundesländer. Sie entscheiden, wie viele Menschen zu Beginn in den Zentren geimpft werden können, von denen es rund 400 in Deutschland geben wird. Bayern und Hessen planen in den Zentren bis zu 30.000 Impfungen am Tag an. Diese sind für alle Bundesbürger kostenlos – egal, wo und wie jemand versichert ist.

Die Reihenfolge der Impfungen ist in einer Rechtsverordnung des Bundesgesundheitsministeriums festgelegt, die auf der Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut (RKI) aufbaut. Diese Rechtsverordnung ist am 15. Dezember 2020 in Kraft getreten.

Wie erfahre ich, dass ich zu einer Risikogruppe gehöre und vorrangig geimpft werde?

Die Impfberechtigten werden von ihrem jeweiligen Bundesland informiert. Die telefonische Hotline 116117 wurde für die Terminvergabe eingerichtet. Zudem sind Möglichkeiten der digitalen Terminvereinbarung vorgesehen. Für die Organisation und den Betrieb der Impfzentren sowie die Terminvergabe sind die Bundesländer zuständig.

Kann der Hausarzt impfen?

Ja. „Wenn alle Risikogruppen in den Impf-Zentren versorgt sind, soll die Impfung durch den Hausarzt oder Betriebsärzte stattfinden“, sagt der Virologe Dr. Martin Stürmer. Eine Massen-Impfung ist ab Mitte 2021 geplant. Allerdings muss der Impfstoff von BioNtech und Pfizer bei Minus 70 Grad gelagert werden – nicht jede Arztpraxis kann dies gewährleisten.

Ob Sie sich auch impfen lassen sollten, wenn Sie erkältet sind, lesen Sie in Ausgabe 2/2021.

Stand: 4.Januar 2021