Wenn der ganze Körper sich nach extremem Muskelkater anfühlt, die Füße brennen, die Finger wie taub sind und der Schlaf nicht kommen will, dann kann dahinter eine Fibromyalgie stecken bzw. das Fibromyalgie-Syndrom (FMS). Übersetzt heißt das Faser-Muskel-Schmerz. Das ist eine chronische Schmerz-Erkrankung, unter der laut Schätzung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie etwa zwei bis vier Prozent der Bevölkerung leiden.

Die Symptome

„Die Krankheit ist weder direkt lebensbedrohlich noch verkürzt sie das Leben. Sie führt auch nicht zu körperlichen Schäden“, erklärt Professor Winfried Häuser, Facharzt für Spezielle Schmerztherapie am Klinikum Saarbrücken. Aber, und das ist das Schlimme: Die Krankheit ist nicht heilbar. Denn die Schmerzen beruhen auf einer Fehlschaltung im Gehirn, die Schmerzhemmung ist vermindert. Die Folge: Geringe Reize aus der Muskulatur und den Knochen, die von Nervenbahnen ins Gehirn geleitet werden, werden als starke Schmerzen empfunden. Sie klingen nie völlig ab, lassen sich höchstens lindern. Es sind vor allem drei Symptome, die eine Fibromyalgie bestimmen:

  • Über mehr als drei Monate bestehende Schmerzen in mehreren Körperregionen, im Nacken oder Rücken, im Kreuz, Brustkorb, Bauch sowie an Armen und Beinen
  • Schlafstörungen bzw. das Gefühl, nicht ausgeschlafen zu sein
  • Müdigkeit bzw. Neigung zur Erschöpfung.

Die Risiko-Faktoren

Warum die Krankheit vor allem Frauen trifft und was sie letztlich auslöst, ist nicht geklärt. „Man vermutet, dass eine Kombination aus Veranlagung und verschiedenen biologischen, psychischen und sozialen Faktoren zum Fibromyalgie-Syndrom führt“, so Prof. Winfried Häuser.

Weitere Risiko-Faktoren sind:

Fibromyalgie ist eine körperliche Erkrankung, die seelische Begleiterscheinungen haben kann – aber nicht muss. Es gibt auch Patienten mit einer glücklichen Kindheit und ohne seelische Störungen, die diese Krankheit bekommen.

Das lindert den Schmerz

Obwohl die Krankheit schon 1994 in die offizielle Krankheits­liste der Weltgesund­heitsorganisation (WHO) aufgenommen wurde, kennen sich viele Ärzte nicht mit ihr aus.

„Fünf bis acht Jahre dauert es im Schnitt, ehe Patienten einen Arzt finden, der die Symptome richtig einordnet und eine FMS-Diagnose stellt“, weiß Prof. Winfried Häuser.

Das mag auch daran liegen, dass keine messbaren Schädigungen vorhanden sind. Es gibt weder im Blut noch bei Röntgenaufnahmen Hinweise auf eine Erkrankung. Muskeln, Gelenke und Organe sind völlig in Ordnung.

Als Behandlung wird eine vielfältige Therapie empfohlen, mit der sich die Schmerzen lindern lassen. Das heißt:

  • Ausdauertraining zwei- bis dreimal die Woche für eine halbe Stunde (z. B. Spazierengehen, Walking, Fahrradfahren, Tanzen, Aquajogging und (Wasser-)Gymnastik),
  • Verhaltenstherapie, um Stress besser zu bewältigen und sich zu entspannen,
  • Meditative Bewegungstherapien (z. B. Tai-Chi, Qigong).

Welche Methoden noch helfen können, die Schmerzen zu lindern und wo Betroffene Hilfe finden, lesen Sie in der Ausgabe 9/2020 – ab 5. August am Kiosk oder hier online.