Weitere Internetseiten von Bayard-Media:
Ratgeber Fit & Gesund

Der große Osteoporose-Ratgeber

Über 7 Millionen Frauen in Deutschland leiden an Osteoporose. Frau im Leben-Experte Prof. Reiner Bartl erklärt im Interview wie man den Abbau der Knochen stoppen, oft bessern kann.

shutterstock
shutterstock

Herr Professor Bartl, bei Frauen ab 50 nimmt die Dichte der Knochen oft so stark ab, dass ihre Knochen selbst bei harmlosen Stürzen leicht brechen können. Lässt sich dieser Prozess umkehren?

BARTL: Leider ist es nicht immer möglich, verloren gegangene Knochenmasse vollständig aufzubauen. Durch Studien wissen wir aber, dass man viel tun kann, damit die Knochen nicht weiter an Masse verlieren, stablier werden.

Was muss man dafür genau tun?

BARTL: Das Rezept, um Knochen wieder zu stärken, besteht aus fünf Teilen:

  1. Viel bewegen
  2. Das Rauchen einstellen
  3. Genug Vitamin D und Kalzium zu sich nehmen
  4. Ausreichend Eiweiß essen
  5. Bei krankhaftem Verlust an Knochenmasse erprobte Medikamente nehmen, etwa ein Bisphosphonat als Infusion.

Wie gut wirkt dieses Rezept?

BARTL: Das ist natürlich immer sehr individuell und hängt auch davon ab, ob noch andere Vorerkrankungen vorliegen. Aber Studien zeigen, dass die Knochendichte in einem Zeitraum von drei Jahren um etwa 5 bis 15 Prozent zunimmt. Das hilft den betroffenen Menschen schon sehr viel weiter, vor allem weil dadurch das Risiko eines Bruchs um etwa 50 Prozent abnimmt.

Welche Vorteile haben die Frauen davon?

BARTL: Schon 10 Prozent mehr Knochendichte bedeutet, dass Frauen, wenn sie stürzen, ein zweifach geringeres Risiko für Brüche der Wirbelsäule haben und ein dreimal kleineres Risiko für Brüche des Oberschenkelhalses.

Warum ist viel bewegen so wichtig, um diesen Effekt zu erreichen?

BARTL: Weil nur Sport und Bewegung den Aufbau von Knochen stimulieren und den Abbau bremsen kann.

Wie funktioniert das ganz genau?

BARTL: Wenn wir uns intensiv bewegen, kontrahieren die Muskeln besonders stark, d.h., sie ziehen sich zusammen und entspannen sich wieder. Und weil die Muskeln an den Knochen angewachsen sind, löst das jedes Mal einen kleinen Impuls im Knochen aus, neue Zellen aufzubauen.

Wie oft soll man sich bewegen, um das wirklich zu erreichen?

BARTL: Mindestens drei-, besser ist bis zu fünfmal die Woche, jeweils für 30 bis 60 Minuten. Die Intensität ist richtig, wenn Sie dabei leicht ins Schwitzen kommen.

Welche Sportarten empfehlen Sie?

BARTL: Jede, die Spaß macht! Egal ob Schwimmen, Radfahren, Joggen oder Nordic Walking. Sehr gut für die Knochen ist auch moderates Krafttraining, etwa mit Gewichten oder Thera-Bändern. Wichtig: Sobald man mit der regelmäßigen Bewegung aufhört, steigt der Abbau an Knochenmasse innerhalb weniger Tage und Wochen wieder an.

Wie kann man den Nutzen von Sport noch verstärken?

BARTL: Indem Sie den Stoffwechsel im Knochen mit Vitamin D unterstützen.

Gibt es Frauen, bei denen dieser Mix aus Sport und Vitamin D ausreicht, den Knochenabbau zu stoppen?

BARTL: Durchaus! Wenn der Knochenverlust noch nicht weit fortgeschritten ist. Wir nennen diese Vorstufe Osteopenie.

Wann sind spezielle Medikamente nötig?

BARTL: Sobald die Knochendichte deutlich abgenommen hat und ein erhöhtes Risiko besteht, dass Knochen brechen, etwa weil man unsicher auf den Beinen ist und Stürze drohen. Dann können bewährte Medikamente den vorhandenen Knochen stabilisieren und vor allem weiteren Knochenabbau bremsen.

Wie werden die Medikamente eingenommen?

BARTL: Früher musste man sie täglich oder wöchentlich nüchtern als Tablette einnehmen, heute bekommen Sie das Mittel sehr praktisch als vierteljährliche Depot-Spritze beim Arzt oder sogar nur einmal jährlich als Infusion.

Gibt es eine zuverlässige Methode, mit der sich prüfen lässt, ob der Knochenabbau gestoppt ist?

BARTL: Ja, die sogenannte DXA-Messung. Es ist auch die einzige zugelassene und von führenden Experten anerkannte Methode, um Osteoporose frühzeitig zu erkennen. Dabei wird mithilfe von sehr geringer Räntgenstrahlung die Knochendichte in der Lendenwirbelsäule und Hüfte bestimmt.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten dafür?

Das tut sie leider nicht konsequent genug. Nur wenn schwere Risiken vorliegen oder es schon zu einem Bruch wegen Osteoporose gekommen ist. Mein Rat: Frauen über 50 sollten die DXA-Messung alle ein bis drei Jahre freiwillig zahlen. Die Untersuchung dauert nur ein paar Minuten und kostet etwa 35 Euro.

Weitere Informationen zu dem Thema Osteoporose haben wir für Sie zum Herunterladen zusammengestellt:

Medizinische Magnetfelder können Osteoporose heilen

Basische Ernährung ist wichtig bei Osteoporose und beugt auch vor

Richtig Essen bei Osteoporose

Rezept für gesunde Knochen

Gesunde Speiseöle, die in jede Küche gehören

Deutschlands beste Mineralwasser – der große Test

Medikamente bei Osteoporose

Ist Osteoporose heilbar?

Das könnte Sie auch interessieren:

  • Vitamin-Mangel stoppen!Vitamin-Mangel stoppen! Eine aktuelle Studie zeigt: Vielen Bundesbürgern ab 65 Jahren fehlen Vitamine und Mineralstoffe. Mögliche Folgen: Müdigkeit, Bluthochdruck, Knochenbrüche. So können Sie sich schützen.
  • Was man aus dem Gesicht lesen kannWas man aus dem Gesicht lesen kann Ihr Gesicht verrät, wie gesund Sie sind. Das große Interview mit dem Gesichtleser Eric Standop.
  • Oft erkältet? Daran kann es liegenOft erkältet? Daran kann es liegen Sie achten auf Ihre Gesundheit und sind trotzdem oft krank? Erkältungen können körperliche und medizinische Ursachen haben oder an unserem Verhalten liegen.
  • Hilfe für die BandscheibenHilfe für die Bandscheiben Für Menschen mit verschlissenen Bandscheiben gibt es Hoffnung, dass das neue Verfahren eine Operation ersetzt und ein Leben ohne Schmerzen ermöglicht.
  • Diese 5 Tipps helfen bei HitzewallungenDiese 5 Tipps helfen bei Hitzewallungen Hitzewallungen treten häufig bei Frauen in den Wechseljahren auf, wenn die Hormone nicht mehr im Gleichgewicht sind. Mit diesen Tipps lässt sich wirksam Abhilfe schaffen.
  • Achten Sie auf gesunde Zähne ab 50Achten Sie auf gesunde Zähne ab 50 Zähne brauchen vor allem ab 50 besonders viel Aufmerksamkeit – und eine andere Pflege. Experten wissen, worauf es ankommt.

Kommentare sind geschlossen.