Wer an Migräne leidet, ist nicht zu beneiden. Plötzlich ist der Schmerz da und setzt einen schachmatt. Neue Ansätze, die den Ursachen auf den Grund gehen, statt diese nur zu bekämpfen, versprechen Linderung.

Hausmittel, die helfen

  • Mediziner können es nicht oft genug betonen: Viel Wasser trinken ist die natürlichste und beste Prophylaxe, nicht nur gegen Kopfschmerzen. Trinken Sie bis zu zwei Liter stilles Wasser, meiden Sie Kaffee oder Tee, besonders bei einem anbahnenden Anfall. Und: Limonaden, Säfte und Sirup ersetzen nicht das Wasser, das Ihren Bedarf an Flüssigkeit über den Tag deckt.
  • Essen Sie viel frisches Obst und Gemüse sowie Fisch. Fleisch und Süßes sollten hingegen eher vermieden werden. Wer anfällig ist, sollte auch bei Rotwein, Schokolade, Käse und Weizenbrot achtgeben und beobachten, ob deren Verzehr vermehrt zu Attacken führt. Auch auf den Geschmacksverstärker Glutamat reagieren manche Betroffene mit Kopfschmerzen.
  • Reiben Sie zwei bis drei Tropfen Pfefferminzöl mit leichtem Fingerdruck und kreisenden Bewegungen auf die Schläfen. Das erweitert die Gefäße, fördert die Durchblutung und entspannt die Muskeln.
  • Vor allem Menschen, die viel sitzen, leiden schnell unter Verspannungen, die Migräne-Attacken begünstigen können. Bauen Sie deshalb in Ihren Alltag Streck- und Dehnübungen ein. Auch einfache Yoga-Übungen sind hilfreich. Wechseln Sie beim Sitzen öfter die Position.
  • Ein kleiner Spaziergang um den Block oder Radfahren wirken nicht nur für den Körper Wunder, sondern entspannen auch nach, bzw. während eines anstrengenden Tages.
  • Der Körper braucht Sauerstoff um richtig zu funktionieren. Achten Sie darum auf genug frische Luft und auf ausreichend Luftfeuchtigkeit. Schüsseln mit frischem Wasser oder ein feuchtes Tuch im Raum können helfen, wenn dieser zu trocken ist. Die Raumtemperatur sollte nicht kühler als 19 Grad und nicht wärmer als 22 Grad sein.
  • Viele Migräne-Patienten reagieren empfindlich auf Düfte, verzichten Sie deshalb besser auf Raumparfüms und stark riechende Duftkerzen.
  • Bei einer Migräne-Attacke ist vor allem eines das A und O: Ruhe. Denn Hektik kann nicht nur Auslöser eines Anfalls sein, sondern diesen auch verstärken. Für viele Migräne-Patienten ist Schlaf das Allheilmittel. Wenn Schlaf nicht gleich möglich ist, bringen geschlossene Augen, ruhiges Atmen und eine annähernd liegende Haltung eine erste Linderung (am besten auf dem Rücken, das beruhigt den oftmals unruhigen Magen).

Das kann der Arzt tun

Lassen sich die Schmerzen nicht mehr ertragen, hilft meist nur noch der Griff zu Tabletten. Paracetamol und andere entzündungshemmende Schmerzmittel wie ASS, Diclofenac und Ibuprofen sind in der Apotheke ohne Rezept erhältlich. Auch Migräne-Mittel wie Triptane können vom Arzt verschrieben werden.
Allerdings sollten Sie bei der Anwendung stets bedenken, dass Migräne-Mittel nach zu häufiger Einnahme die Symptome verstärken können, der sogenannte Medikamenten-Übergebrauchs-Kopfschmerz setzt dann ein. Schmerzmittel haben zudem weitere Nebenwirkungen, die gerade bei regelmäßiger Verwendung nicht unterschätzt werden sollten. Klären Sie deshalb die Einnahme von Tabletten immer mit Ihrem Arzt ab.

Das sind neue Ansätze

Antikörper: Seit Mitte 2018 ist in Deutschland eine Impfung zugelassen, die gegen Migräne helfen soll. Das Besondere: Während Tabletten und Co. die Symptome behandeln, wurden die Wirkstoffe zum Vorbeugen von Migräne entwickelt. Die Antikörper Galcanezumab, Fremanezumab oder Erenumab werden alle vier Wochen unter die Haut gespritzt und hemmen die Wirkung eines Proteins, das beim Auslösen von Migräneanfällen eine Rolle spielt. Alle drei Medikamente können Betroffene sich mit Fertigpens oder -spritzen zu Hause selbst verabreichen.
Neurostimulation: Anders als Fitnessarmbänder messen Migräne-Wearables keine Vitalfunktionen wie den Pulsschlag, sondern sie geben von außen über die Haut elektrische Impulse an bestimmte Nerven ab (z. B. das Gerät Cefaly). Dieses Verfahren nennt man Neurostimulation. „Ziel ist es, die Empfindlichkeit für Schmerz-Signale zu senken oder zu normalisieren“, erläutert Dr. Charly Gaul, Generalsekretär der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft.
Apps: Neben zahlreichen Fitness- und Ernährungs-Apps gibt es im Internet auch medizinische Apps zum Herunterladen. Dazu gehört die „Migräne App“ der Schmerzklinik Kiel. Zu den Funktionen zählt u. a. ein Kopfschmerz-Tagebuch und eine Anleitung für gezielte Entspannungsübungen.

Weitere Hilfe finden Betroffene hier

  • www.schmerzklinik.de – mit Informationen rund um das Thema Migräne sowie Schmerz-Spezialisten in der Nähe
  • www.headbook.me – das Forum ist ideal, um sich mit anderen Betroffenen auszutauschen
  • www.migraeneliga.de – Zusammenschluss von Selbsthilfe-Gruppen in Ihrer Nähe