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Migräne – Alles was Sie wissen müssen

Wer an Migräne leidet, ist nicht zu beneiden. Plötzlich ist sie da und setzt einen schachmatt. Neue Ansätze, die den Ursachen auf den Grund gehen, statt diese nur zu bekämpfen, versprechen Linderung.

toranosuke / © shutterstock
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Migräne die Volkskrankheit: jeder 7. Bundesbürger klagt häufig über solch starke Kopfschmerzen, dass das Alltagsleben zum Erliegen kommt. Die Einschränkungen im alltäglichen Leben sind enorm und das Risiko für eine Depression bis hin zum Suizid ist bei Betroffenen 3 bis 7mal höher.

Die Symptome von Migräne

Wer von einem Migräneanfall heimgesucht wird, der klagt über heftige Kopfschmerzen, die anfallsartig, meist einseitig auf einer Kopfhälfte an den Schläfen auftreten; zuweilen auch an der Stirn oder hinter dem Auge. Der Schmerz wird oft als unangenehm pochend oder pulsierend beschrieben. Typische Begleiterscheinungen, manchmal auch Vorboten eines Anfalls, sind Übelkeit bis hin zum Erbrechen, eine Licht-, Geruchs- sowie Lärmempfindlichkeit und Appetitlosigkeit.

Migräne kann viele Gesichter haben – die bekanntesten Migräne-Arten sind jedoch die klassische Migräne ohne Aura und diejenige mit Aura. Eine Migräne ohne Aura ist die am häufigsten vorkommende Form. Punktueller Kopfschmerz hinter dem Auge oder an den Schläfen sowie eine Licht-, Lärm- und Geruchsempfindlichkeit sorgen dafür, dass sich Betroffene während eines Anfalls vorzugsweise in ruhigen, abgedunkelten Räumen aufhalten. Die Migräne mit Aura offenbart neben den klassischen Symptomen zusätzlich neurologische Anzeichen wie Sehstörungen und Sprachstörungen, Lähmungserscheinungen oder falsche Geschmacks-, Geräusch- und Geruchswahrnehmungen, ein Kribbeln in den Extremitäten und Schwindel.

Ein normales Funktionieren des Körpers ist während eines Anfalls nicht mehr möglich und die Lebensqualität der Betroffenen stark eingeschränkt. Deshalb spielt auch die psychische Verfassung der Betroffenen eine große Rolle. Oftmals macht sich Ohnmacht breit und die Angst kommt auf, ob nicht doch ein Tumor oder eine andere lebensbedrohliche Krankheit hinter den häufigen Anfällen steckt. Viele Betroffene berichten von der Machtlosigkeit und den Sorgen, die sie fühlen, wenn ein Anfall unvorhergesehen ausbricht, während ein wichtiger Geschäftstermin oder ein anderer wichtiger Anlass bevorstehen. Die Einschränkungen im beruflichen, sozialen und alltäglichen Leben können enorm sein.

Die Häufigkeit von Migräne

Etwa 8 Prozent der Männer und 14 Prozent der Frauen in Deutschland werden von derartigen Kopfschmerzen heimgesucht. Die größte „Risikogruppe“ stellen Frauen zwischen 35 und 45 dar, in dieser Altersgruppe trifft es das weibliche Geschlecht sogar dreimal häufiger als ihre männlichen Leidensgenossen.

Kündigt sich eine Attacke an, so kann diese von unterschiedlich langer Dauer sein – meist dauern Anfälle zwischen 4 Stunden bis zu drei Tage an.

Mediziner unterscheiden zwischen der Chronischen Migräne und der Episodischen Migräne. Während man bei letzterer die Attacken in ihrem zeitlichen Ablauf klar voneinander abgrenzen kann, gehen chronische Attacken oft beinah nahtlos ineinander über und kommen an mehr als 15 Tagen im Monat über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten vor.

Die Ursachen von Migräne

 

Stress verstärkt Migräne

Stress kann Migräne-Anfälle auslösen und verstärken

Migräne ist eine schwere neurologische Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der sich die Gefäße auf der Hirnhaut erweitern und entzünden. Die Ursachen sind bis heute nicht endgültig geklärt, doch weiß man schon besser, was einen Migräneanfall auslösen kann. Erbliche Faktoren können beispielsweise nicht ausgeschlossen werden, denn oftmals klagen mehrere Familienmitglieder über Migräneattacken. Fest steht, dass bei Betroffenen die Aktivität der Nervenzellen besonders hoch ist, sie stehen schnell „unter Strom“. Das kann dazu führen, dass Nerven fehlgesteuert werden und sich Hirnhäute entzünden, die wiederum für die Schmerzen zuständig sind.

Die Tendenz der Forschung konzentriert sich derzeit neben der Suche nach den Ursachen und Möglichkeiten der Bekämpfung vermehrt auch auf sogenannte Trigger-Faktoren, also diejenigen Einflüsse, die einen Migräneanfall auslösen können. Entscheidend ist dabei der Tagesrhythmus und das Stresslevel der Betroffenen.

Besonders häufig berichten Migränepatienten davon, auf mindestens einen der folgenden Auslöser zu reagieren:

  • Hormonschwankungen (beispielsweise während des Eisprungs, mit Einsetzen der Periode oder mit Eintritt in die Menopause) – ein Grund, warum häufiger Frauen von Migräneattacken befallen sind
  • Stressige Phasen – oftmals tritt die Migräne erst in der Entspannungsphase nach einer stressigen Woche/ einem stressigen Tag auf, beispielsweise abends oder an Wochenenden
  • Ernährung: das Auslassen von Mahlzeiten oder bestimmte Nahrungsmittel
  • Zu kurze oder zu lange Schlafzeiten
  • Zu wenig Wasser
  • Zu viel Sport oder zu wenig Bewegung
  • Wetterumschwung, bzw. starke Klimaschwankungen
  • Verspannungen, insbesondere im Nackenbereich
  • Düfte, wie aggressive Parfüms

Sie haben bisher keine festen Auslöser ausmachen können? Möglicherweise hilft Ihnen ein Migränetagebuch. Wir haben Ihnen eines zusammengestellt, in dem die wichtigsten Punkte hinterlegt sind.

Die Behandlung von Migräne

Prophylaxe:

Als einer der Hauptverursacher der Migräne ist zweifelsohne der Stress. Nach Möglichkeit sollten Betroffene deshalb alles vermeiden, was die Nerven „überreizt“ und Stress auslösen kann. Nicht auf alles hat man Einfluss, doch hilfreich können bereits ein regelmäßiger Tagesrhythmus mit festen Mahlzeiten, ausreichend Schlaf, Ausdauersport, Entspannungsübungen und viel Wasser sein.

Bei mehr als sieben Tagen Kopfschmerz im Monat kann die Prophylaxe mit Medikamenten helfen, etwa mit Betablockern, Calcium-antagonisten, Antiepileptika und Antidepressiva. Oder mit dem neuen Wirkstoff Erenumab. Bei akuten Attacken helfen Schmerzmittel wie Aspirin, Ibuprofen oder Paracetamol; bei ganz schweren Anfällen Triptane. Die Dosierung und Einnahme sollte dabei unbedingt mit Ihrem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Das sollten Sie vermeiden:

Migräne - Schlafen ist wichtig

Bewährtes Mittel bei einer Attacke und Prophylaxe: Schlaf

Bei einem Migräneanfall reagieren die meisten instinktiv, indem sie sich an dunkle, ruhige Orte begeben: pralle Sonne, viel Licht und Lärm sind dann tabu.

Auch wenn Sport immer wieder zur Prophylaxe empfohlen wird: während eines Anfalls ist Bewegung, oder gar Sport etwas, das absolut vermieden werden sollte, denn körperliche Anstrengung verstärkt den Anfall in den meisten Fällen.

Ganz wichtig: Sie sind nicht schuld an Ihren Migräneanfällen. Bewegung, Essensumstellungen und andere Tipps sind Möglichkeiten, die helfen können. Aber in erster Linie sollten Sie sich selbst kein Fehlverhalten vorwerfen, sondern sich die Auszeit gönnen, die Ihr Körper da so vehement fordert. Eine Spirale aus „Warum jetzt? Warum ich? Warum schon wieder?“ setzt sonst ein und lässt Sie zusätzlich verkrampfen. Lernen Sie sich und Ihre Auslöser kennen und prüfen Sie genau, was für Sie individuell am besten hilft.

Hausmittel, die helfen:

  • Mediziner können es nicht oft genug betonen: viel Wasser trinken ist die natürlichste und beste Prophylaxe, nicht nur gegen Kopfschmerzen. Trinken Sie bis zu zwei Liter stilles Wasser, meiden Sie Kaffee oder Tee, besonders bei einem anbahnenden Anfall. Und: Limonaden, Säfte und Sirup ersetzen nicht das Wasser, das Ihren Bedarf an Flüssigkeit über den Tag deckt.
  • Essen Sie viel frisches Obst und Gemüse sowie Fisch. Fleisch und Süßes sollten hingegen eher vermieden werden. Wer anfällig ist, sollte auch bei Rotwein, Schokolade, Käse und Weizenbrot achtgeben und beobachten, ob deren Verzehr vermehrt zu Attacken führt. Auch auf den Geschmacksverstärker Glutamat reagieren manche Betroffene mit Kopfschmerzen.
  • Reiben Sie zwei bis drei Tropfen Pfefferminzöl mit leichtem Fingerdruck mit kreisenden Bewegungen auf die Schläfen. Das erweitert die Gefäße, fördert die Durchblutung und entspannt die Muskeln.
  • Vor allem Menschen, die viel sitzen, leiden schnell unter Verspannungen, die Migräneattacken begünstigen können. Bauen Sie deshalb in Ihren Alltag Streck- und Dehnübungen ein. Auch einfache Yoga-Übungen sind hilfreich. Wechseln Sie beim Sitzen öfter die Position.
  • Ein kleiner Spaziergang um den Block oder Rad fahren wirken nicht nur für den Körper Wunder, sondern entspannen auch nach/ bzw. während eines anstrengenden Tages.
  • Der Körper braucht Sauerstoff um richtig zu funktionieren. Achten Sie darum auf genug frische Luft und auf ausreichend Luftfeuchtigkeit. Schüsseln mit frischem Wasser oder ein feuchtes Tuch im Raum können helfen, wenn dieser zu trocken ist. Die Raumtemperatur sollte nicht kühler als 19 Grad und nicht wärmer als 22 Grad sein.
  • Viele Migränepatienten reagieren empfindlich auf Düfte, verzichten Sie deshalb besser auf Raumparfüms und stark riechende Duftkerzen.
  • Bei einer Migräneattacke ist vor allem eines das A und O: Ruhe. Denn Hektik kann nicht nur Auslöser eines Anfalls sein, sondern diesen auch verstärken. Für viele Migränepatienten ist Schlaf das Allheilmittel. Wenn Schlaf nicht gleich die Lösung ist, weil Sie beispielsweise unterwegs sind, bringen geschlossene Augen, ruhiges Atmen und eine annähernd liegende Haltung eine erste Linderung (am besten auf dem Rücken, das beruhigt den oftmals unruhigen Magen).

Das kann der Arzt tun:

Neuer Impfstoff gegen Migräne

Weckt Hoffnungen: gerade kam ein neuer Impfstoff gegen Migräne heraus

Seit neuestem ist ein Impfstoff in Europa zugelassen, der gegen Migräne helfen soll. Das Besondere: während Tabletten und Co. die Symptome behandeln, ist der Impfstoff das erste Arzneimittel, das spezifisch zum Vorbeugen von Migräne entwickelt wurde, denn der Wirkstoff verhindert, dass sich eine Entzündung entwickelt und der Migräneanfall wird gar nicht erst ausgelöst. Mehr Informationen zur Migräneimpfung verraten wir im neuen Heft Frau im Leben.

Lassen sich die Schmerzen nicht mehr ertragen, hilft meist nur noch der Griff zu Tabletten. Paracetamol und andere entzündungshemmende Schmerzmittel wie ASS, Diclofenac und Ibuprofen sind in der Apotheke ohne Rezept erhältlich. Auch Migränemittel wie Triptane können vom Arzt verschrieben werden.

Allerdings sollten Sie bei der Anwendung stets bedenken, dass Migränemittel nach zu häufigem Einsetzen selbst die Symptome verstärken können, der sogenannte Medikamenten-Übergebrauchs-Kopfschmerz setzt dann ein. Schmerzmittel haben zudem weitere Nebenwirkungen, die gerade bei einer regelmäßigen Einnahme nicht unterschätzt werden sollten. Klären Sie deshalb die Einnahme von Tabletten immer mit Ihrem Arzt ab.

Bei starker Migräne sollte man sich an einen Neurologen, Schmerztherapeuten oder an ein Schmerzzentrum wenden:

  • www.schmerzklinik.de – mit Informationen rund um das Thema Migräne sowie Schmerz-Spezialisten in der Nähe
  • www.headbook.me – das Forum ist ideal, um sich mit anderen Betroffenen auszutauschen
  • Migräne-App (über App-Store und Google play), u.a. mit Kopfschmerztagebuch, Schmerzkalender, Auswertung mit PDF-Export zum Ausdrucken oder Weiterleiten via E-Mail an Arzt sowie Entspannungsübungen.
  • www.migraeneliga.de – Zusammenschluss von Selbsthilfe-Gruppen in Ihrer Nähe

 

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