Wer an Migräne leidet, ist nicht zu beneiden. Plötzlich ist der Schmerz da und setzt einen schachmatt. Neue Ansätze, die den Ursachen auf den Grund gehen, statt diese nur zu bekämpfen, versprechen Linderung.

Jeder siebte Bundesbürger klagt häufig über solch starke Kopfschmerzen, dass das Alltagsleben zum Erliegen kommt. Die Einschränkungen bei einer Migräne sind enorm und das Risiko für eine Depression ist bei Betroffenen drei- bis siebenmal höher.

Die Symptome von Migräne

Migräne kann viele Gesichter haben. Eine Migräne ohne Aura ist die am häufigsten vorkommende Form. Punktueller Kopfschmerz hinter dem Auge oder an den Schläfen sowie Licht-, Lärm- und Geruchsempfindlichkeit sorgen dafür, dass sich Betroffene während eines Anfalls vorzugsweise in ruhigen, abgedunkelten Räumen aufhalten. Die Migräne mit Aura offenbart neben den klassischen Symptomen zusätzlich neurologische Anzeichen wie Sehstörungen und Sprachstörungen, Lähmungserscheinungen oder falsche Geschmacks-, Geräusch- und Geruchswahrnehmungen, ein Kribbeln in den Extremitäten und Schwindel.

Mediziner unterscheiden zwischen der Chronischen Migräne und der Episodischen Migräne. Während man bei letzterer die Attacken in ihrem zeitlichen Ablauf klar voneinander abgrenzen kann, gehen chronische Attacken oft beinah nahtlos ineinander über und kommen an mehr als 15 Tagen im Monat über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten vor.

Die Häufigkeit von Migräne

Etwa acht Prozent der Männer und 14 Prozent der Frauen in Deutschland werden von derartigen Kopfschmerzen heimgesucht. Die größte „Risikogruppe“ stellen Frauen zwischen 35 und 45 dar, in dieser Altersgruppe trifft es das weibliche Geschlecht sogar dreimal häufiger als ihre männlichen Leidensgenossen. Die Anfälle dauern meist von vier Stunden bis zu drei Tagen.

Die Ursachen von Migräne

Migräne ist eine schwere neurologische Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der sich die Gefäße auf der Hirnhaut erweitern und entzünden. Die Ursachen sind bis heute nicht endgültig geklärt, doch weiß man mittlerweile besser, was einen Migräne-Anfall auslösen kann. Erbliche Faktoren können nicht ausgeschlossen werden, denn oftmals klagen mehrere Familienmitglieder über Migräne-Attacken. Fest steht, dass bei Betroffenen die Aktivität der Nervenzellen besonders hoch ist, sie stehen schnell „unter Strom“. Das kann dazu führen, dass Nerven fehlgesteuert werden und sich Hirnhäute entzünden.

Die Forschung konzentriert sich derzeit neben der Suche nach den Ursachen und Möglichkeiten der Bekämpfung vermehrt auch auf sogenannte Trigger-Faktoren, also diejenigen Einflüsse, die einen Migräne-Anfall auslösen können. Besonders häufig reagieren Migräne-Patienten auf mindestens einen der folgenden Auslöser:

  • Hormonschwankungen (beispielsweise während des Eisprungs, mit Einsetzen der Periode oder mit Beginn der Menopause)
  • Stressige Phasen – oftmals tritt die Migräne erst in der Entspannungsphase nach einer stressigen Zeit auf
  • Ernährung: das Auslassen von Mahlzeiten oder bestimmte Nahrungsmittel
  • Zu viel oder zu wenig Schlaf
  • Zu wenig Wasser
  • Zu viel Sport oder zu wenig Bewegung
  • Wetterumschwung, starke Klimaschwankungen
  • Verspannungen, insbesondere im Nackenbereich
  • Düfte, wie aggressive Parfüms

Sie haben bisher keine bestimmten Auslöser ausmachen können? Möglicherweise hilft Ihnen ein Migräne-Tagebuch – hier zum Herunterladen.

Die Behandlung von Migräne

Prophylaxe

Einer der Hauptverursacher von Migräne ist Stress. Nach Möglichkeit sollten Betroffene deshalb alles vermeiden, was die Nerven „überreizt“. Nicht auf alles hat man Einfluss, doch hilfreich können bereits ein regelmäßiger Tagesablauf mit festen Mahlzeiten, ausreichend Schlaf, Ausdauersport, Entspannungsübungen und ausreichend Wasser sein.

Bei mehr als sieben Tagen Kopfschmerz im Monat kann die Prophylaxe mit Medikamenten helfen, etwa mit Betablockern, Calcium-Antagonisten, Antiepileptika und Antidepressiva. Oder mit den Wirkstoffen Erenumab, Galcanezumab und Fremanezumab. Bei akuten Attacken helfen Schmerzmittel wie Aspirin, Ibuprofen oder Paracetamol; bei ganz schweren Anfällen Triptane. Dosierung und Einnahme sollten dabei unbedingt mit Ihrem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Heilende Hände

Bei Haltungsschäden und chronischen Schmerzen empfehlen auch Schulmediziner oft sanfte, manuelle Therapien. Osteopathie etwa oder Massagen. Wir erklären in unserem Medizin-Report der Ausgabe 12/22 „Hände, die uns heilen“ die unterschiedlichen Techniken und wie man gute Therapeuten findet.

Welche Hausmittel außerdem helfen können und welche neuen Ansätze es in der Migräne-Therapie gibt, lesen Sie auf Seite 2.