Kleines Organ, große Wirkung: Das Gehör ist eines der wichtigsten Organe des Körpers. Es sorgt nicht nur dafür, dass er im Gleichgewicht bleibt und wir beispielsweise nicht stürzen. Die Hörkraft ist vor allem für unsere Hirnaktivitäten und unser soziales Miteinander lebenswichtig.

Neueste Untersuchungen zeigen: Wer wegen eines Hörverlustes nicht mehr aktiv am Leben teilnimmt, verliert eher seine geistigen Fähigkeiten als Menschen, die gut hören. Menschen, die schlecht hören, empfinden sich oft unter einer Art Glasglocke, isoliert von den Mitmenschen.

Nicht gut hören zu können kann einsam machen.

Hörverlust ist außerdem ein Risikofaktor für Demenz. Wer rechtzeitig etwas gegen Hörverlust unternimmt, senkt damit erheblich sein Risiko, an Demenz zu erkranken.

So stärken Sie Ihr Gehör

1) Entspannung suchen

Schalten Sie vermeidbare Geräuschkulissen – wie bspw. den Fernseher – vor dem Schlafengehen aus. So kann Ihr Gehör abschalten. Reduzieren Sie im Alltag unnötigen Lärm aus Ihrem Umfeld. Vermeiden Sie ständige Geräuschkulissen wie Radio, Klimaanlage oder Straßenlärm.

2) Kritisch einkaufen

Sie benötigen einen neuen Staubsauger oder einen Mixer? Greifen Sie u.a. beim Kauf von Haushaltsgeräten auf möglichst geräuscharme Modelle zurück.

3) Lärmschutz verwenden

Tragen Sie, z.B. am Arbeitsplatz, Gehörschutz: Das Angebot reicht vom einfachen Ohrstöpsel bis zur Maßanfertigung hoch entwickelter Gehörschutz-Systeme. Benutzen Sie Ohrstöpsel, wann immer Sie es für richtig halten.

Eine Gewöhnung an hohe Schallpegel hat die Natur nicht vorgesehen.

4) Offenheit wagen

Wenn Sie bemerken, dass Sie etwas nicht hören, stehen Sie dazu, fragen Sie nach. Das beugt Unsicherheiten und Missverständnissen vor. Ein offener Umgang mit dem eigenen Hören ist der erste Schritt dazu, etwas dagegen zu unternehmen – vor allem dann, wenn die Hörfähigkeit tatsächlich dauerhaft nachlässt.

5) Gesprächskultur abstimmen

Vereinbaren Sie bei Besprechungen in größerer Runde, dass man nach einander und laut und deutlich spricht. Das ist im Sinne aller. Halten Sie Blickkontakt zu dem, der spricht, und vereinbaren Sie auch, Ergebnisse schriftlich zu notieren.

6) Die richtige Position finden

Bei Gruppentreffen sollten Sie möglichst in der Mitte Platz nehmen, so dass alle Sie gut hören und sehen können. Setzen Sie sich nicht an das Ende eines Tisches oder eines langen Sofas.

7) Musik reduzieren

Wird in einem Restaurant oder bei einer privaten Dinner-Party laute Hintergrundmusik gespielt, dann scheuen Sie sich nicht darum zu bitten, dass die Lautstärke etwas leiser gedreht wird.

8) Plätze vorbuchen

Wenn Sie beispielsweise ins Kino oder Theater gehen, planen Sie voraus und seien Sie früher als die anderen da. Sollten Sie bereits eine Hörhilfe haben, fragen Sie nach, ob es spezielle Plätze für Personen mit Hörproblemen gibt.

9) Vortrag halten

Wenn Sie selbst einen Vortrag oder eine Rede halten, bitten Sie um Ruhe. Sprechen Sie erst dann, wenn es wirklich still ist. Das macht es für Redner wie Zuhörer leichter.

10) Um Wiederholung erbitten

Wo immer Sie etwas nicht gehört haben – z.B. bei Frage-und-Antwort-Runden – bitten Sie darum, dass die Teilnehmer das Gesagte wiederholen.

11) Akustik optimieren

In der Nähe von Eingängen, Küchen, Heizanlagen und Lautsprechern ist es meist besonders laut. Deshalb ist es sinnvoll, sich von diesen geräuschintensiven Bereichen fernzuhalten.

12) Geschlossen fahren

Wer bei offenen Fenstern und hohen Geschwindigkeiten Auto fährt, riskiert Hörverlust. Das fanden Wissenschaftler heraus. Der Grund: Die Ohren werden durch den permanenten Druckausgleich und der Reizüberflutung überfordert. Also Fenster schließen oder Geschwindigkeit drosseln – oder beides.

13) Ernährung umstellen

Greifen Sie zu Nahrungsmitteln, die die Hörkraft stärken:

  • Kalium reguliert den Flüssigkeitshaushalt im Körper, was beim Übertragen von Geräuschen im Ohr und Impulsen ans Gehirn eine wichtige Rolle spielt. Gute Kalium-Lieferanten sind Kartoffeln, Spinat, Tomaten, Aprikosen, Bananen und Joghurt.
  • Studien haben gezeigt, dass ältere Menschen, deren Hörvermögen nachlässt, schlechte Folsäure-Werte im Blut aufweisen. Folsäure ist im Körper zuständig für Wachstum, Zellteilung und Blutbildung, was sich unmittelbar auf das Gehör auswirkt. Viel Folsäure steckt in Getreide, Leber, Spinat, Brokkoli und Spargel.
  • Magnesium bekämpft die Effekte von freien Radikalen, die bei lauten Geräuschen entstehen und bildet eine Barriere gegen sie. Im Innenohr schützt und weitet Magnesium die Blutgefäße, damit sie genug Sauerstoff aufnehmen und sich entspannen können und keine Blutgerinsel entstehen – diese könnten sogar zu einem Hörsturz oder zu Tinnitus führen. Magnesium findet sich reichlich in Bananen, Artischocken, Kartoffeln, Spinat, Tomaten und Brokkoli.
  • Zink baut das Immunsystem auf und stärkt es. Damit schütze es den Körper auch vor Infekten, z.B. Erkältungen und Ohr-Infektionen. Zink steckt in Rindfleisch, Cashewnüssen, Mandeln, Erdnüssen, Hülsenfrüchten, dunkler Schokolade und Austern.

14) Sport treiben

Forschungen haben ergeben, dass die Hörfähigkeit zu einem großen Teil mit einem gesunden Herz-Kreislauf-System zusammenhängt. Dieses stärkt man mit Bewegung und Sport. 50-Jährige, die Sport treiben, hören ebenso gut wie junge Leute. Ohrenärzte empfehlen darum regelmäßiges Joggen, Schwimmen und Walken – wenigstens 20-30 Minuten pro Tag drei- bis fünfmal die Woche.

15) Hörtest machen

Seien Sie ehrlich mit sich selbst und gewinnen Sie Klarheit: Wie gut Sie wirklich hören, kann nur ein Hörtest ermitteln. Und nur wenn Sie Bescheid wissen, können Sie gezielt Abhilfe schaffen – für mehr Lebensqualität und Spaß am Miteinander.