Vanillekipferl oder Zimsterne gehören zu unserer Adventszeit. Aber was wird eigentlich in anderen Ländern zu Weihnachten gebacken?

Sagen Ihnen die Namen Bejgli, Lussekatter oder Orasnice etwas? Nein? Dann kommen Sie mit auf eine kleine Plätzchen-Reise. Unsere Autorin Andrea Schmidt-Forth hat sich schlau gemacht und zeigt uns Traditionen aus Ungarn, der Schweiz, Finnland oder Portugal.

Bunuelos

Vorkommen:
Spanien, heute u. a. auch Lateinamerika, Israel
So schmeckt’s und das ist drin:
Leckeres Schmalzgebäck. Schmeckt je nach Land süß, etwa in Mexiko, Spanien, oder eher deftig wie in Kolumbien, wo eine Variante („bunuelos aka“) mit einem speziellen Frischkäse und Essig zubereitet wird. Bunuelos schmecken nur frisch, deshalb sollte man sie erst kurz vor dem Servieren zubereiten.
Darum isst man es:
Kommen ursprünglich aus Spanien, haben sich nach Lateinamerika, Israel und in andere Regionen mit einer historischen Verbindung zu Spaniern oder sephardischen Juden verbreitet, einschließlich Südwesteuropa, dem Balkan, Teilen Asiens und Nordafrikas.

Bejgli

Vorkommen:
Ungarn, ähnliches in anderen Ländern Osteuropas, in Polen etwa „Makowiec“.
So schmeckt’s und das ist drin:
Lange, gefüllte Hefeteigrollen. Zu ungarischem Weihnachtsessen gehören neben „mákos bejgli“ mit Mohnmasse, Rum und Rosinen auch „diós bejgli“ mit gehackten Walnüssen.
Darum isst man es:
Bejgli haben eine sehr lange Tradition. Die ersten Nuss- und Mohnbejgli wurden schon im 14. Jahrhundert in Schlesien gebacken. Über Österreich gelangte das Rezept nach Ungarn. Üblich: Wer in der Weihnachtszeit eingeladen wird, bringt dem Gastgeber einen oder mehrere selbst gebackene Bejgli als Geschenk mit. Besonders lecker sind sie mit Schlagsahne.

Biberli (moderne Variante)

Vorkommen:
Schweiz
So schmeckt’s und das ist drin:
Honiggebäck mit echtem Bienenhonig und einer reinen Mandelfüllung. Es gibt auch Rezepte mit Trockenobst. Wie der Teig gewürzt wird, hält jeder Bäcker oder Konditor geheim.
Darum isst man es:
Biberähnliche Gebäcke wurden im Kloster St. Gallen schon im 14. und 15. Jahrhundert gebacken. Im Kloster gab es Bienenhonig, Gewürz und alle weiteren nötigen Zutaten. Der Appenzeller Biber ist ein jüngerer Bruder des St. Galler Bibers. Die Bezeichnung wird vom lateinischen Wort „Pigmentum“ für Farbe oder Gewürz in Spezereien abgeleitet. Im Mittelhochdeutschen wurde später Biber-Zelten daraus, was flacher Kuchen hieß.

Joulutorttu

Vorkommen:
Finnland
So schmeckt’s und das ist drin:
Die Törtchen aus zartem, luftigen Blätterteig sind wie Sterne oder Windrädchen geformt. Am leckersten werden sie mit selbst gemachtem Blätterteig aus Mehl, Butter, Eigelb, Sahne und Frischkäse. Ruckzuck geht’s mit fertigem Blätterteig. Zum Schluss wird noch ein Klecks Pflaumenmus in die Mitte gesetzt und viel Puderzucker drüber gestäubt.
Darum isst man es:
Die Törtchen dürfen Weihnachten ebenso wenig fehlen wie die Wichtelkinder in Mauri Kunnas Buch „Wo der Weihnachtsmann wohnt“ (in Finnland natürlich). Fast jede finnische Familie hat ihr eigenes Rezept für Joulutorttu.

Orasnice

Vorkommen:
Länder des ehemaligen Jugoslawiens wie Kroatien, Serbien.
So schmeckt’s und das ist drin:
Die Walnusskipferl bestehen hauptsächlich aus gemahlenen und gehackten Nüssen, sind nur leicht gesüßt und sehr saftig.
Darum isst man es:
Werden gelegentlich wie Hufeisen geformt. Das soll Glück bringen.

Lussekatter

Hier wird geknuspert:
Schweden
So schmeckt’s und das ist drin:
Goldgelbes Hefegebäck mit etwas Safran und Rosinen, zusammengekringelt wie ein Kätzchen. Manchmal kommt auch etwas Quark in den Teig. Am besten sind Lussekatter, wenn sie noch warm sind.
Die Geschichte dazu:
Die Lucia-Kätzchen gibt es ab dem 13. Dezember, dem Tag der Heiligen Lucia, an dem Skandinavien die Lichterkönigin feiert. Mädchen in weißen Kleidern und mit Kränzen im Haar tragen dann Kerzen und bringen Licht in die nordische Nacht. Dazu gibt’s das leckere Hefegebäck. Am Weihnachtstag essen die Schweden Lussekatter zum Frühstück.

Turrón

Hier wird geknuspert:
Spanien, Portugal, Italien und Schweiz
So schmeckt’s und das ist drin:
Köstlich-klebrige Angelegenheit, die hauptsächlich aus Eiweiß und Zucker, Honig und Mandeln besteht. In die meist weiße Nougatmasse werden je nach Rezept noch Nüsse, kandierte Früchte und Schokoladenstücke eingearbeitet. Es gibt weichen Turrón und harten, der beim Schneiden fast von allein in Stücke bricht.
Die Geschichte dazu:
Im Advent stapeln sich auf Weihnachtsmärkten unzählige Varianten von weißem Nougat, von dem die Verkäufer fingerdicke Scheiben abschneiden. Die Mauren brachten das Süßwerk vor rund 500 Jahren aus der arabischen Welt nach Europa. Die spanische Version davon breitete sich mit den Eroberungszügen auf See um die ganze Welt aus.

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