Wenn Touristen in Augsburg einen Fehler machen können, dann den: „Ein Stück Pflaumenkuchen bitte!“ Pflaumenkuchen?? Das heißt Zwetschgendatschi!

Peter Hummel

Der Zwetschgendatschi soll ja angeblich in der Fuggerstadt erfunden worden sein. Aber darüber diskutieren die Augsburger gar nicht. Ihnen stellt sich allenfalls die Frage, ob das Original mit Hefe- oder mit Mürbteig gemacht wird und ob Butterstreusel oben drauf gehören oder nicht.
Uns schmeckt er so, wie er direkt am Rathausplatz angeboten wird, am besten, nämlich mit Hefeteig, den Früchten und sonst nichts.

Bei den Zwetschgen kommt es darauf an, dass sie reif, aber nicht matschig oder angeschlagen sind. Für ein Blech kann man mit etwa 2 kg rechnen, wenn man es eng belegt.

So gelingt original Augsburger Zwetschgendatschi

  • Die Zwetschgen entkernen, aber zusammenhängen lassen, auseinanderklappen und jede Hälfte einmal längs einschneiden, so dass oben 4 Spitzen entstehen.
  • Für den Hefeteig 500 g Mehl, 1 Würfel Hefe, 250 ml Milch, 80 g weiche Butter, 2 Eier, 50 g Zucker und eine Prise Salz zu einem glatten Teig verarbeiten. Die Hefe dafür vorher mit etwas Zucker in lauwarmer Milch auflösen und 10 Minuten gehen lassen. Den Teig bei etwa 32 Grad etwa 45 Minuten gehen lassen. Die 32 Grad erreicht man, indem man das Backrohr etwa 2 – 3 Minuten bei 100 Grad aufheizt, dann ausschaltet und nur noch das Licht brennen lässt, während der Teig drin steht.
  • Dann den Teig auf eine bemehlte Arbeitsfläche geben, mit einem Geschirrtuch abdecken, nochmal 10 Minuten gehen lassen, danach auf einem Backblech ausrollen. Mit einer Gabel etwa 40 Mal einstechen, nochmal 20 Minuten ruhen lassen.
  • Jetzt werden die Zwetschgen wie Dachziegel auf den Teig geschichtet und gezuckert. Und aa, es schmeckt auch, wenn etwas Zimt mit dem Zucker drüber kommt, aber richtig original ist das dann nicht mehr.
  • Den Datschi bei 220 Grad Ober- und Unterhitze für etwa 20 bis 25 Minuten backen. Die genaue Dauer hängt vom Reifegrad der Früchte ab. Je reifer und saftiger sind, umso schneller geht’s. Im Idealfall wird dieses herrliche Gebäck noch lauwarm serviert und ein Klecks frisch geschlagene Sahne schmilzt über den Früchten langsam dahin.
  • Die besten Zwetschgen für den Datschi sind übrigens jene aus unseren heimischen Gärten. Die haben einfach viel mehr Aroma, weil sie erst relativ reif geerntet werden.

    Zwetschge oder Pflaume?

    Stellt sich noch die Frage, ob der Kuchen auch mit Pflaumen gelingt. Ja, vermutlich schon, aber dann ist es eben ein Pflaumenkuchen und kein Zwetschgendatschi. Mit ziemlicher Sicherheit wird er auch matschiger, weil eine gute Zwetschge ein festes, gelbes Fruchtfleisch hat, das sich leicht vom Kern löst. Außerdem ist sie etwas säuerlicher, was die Augsburger, die man auch liebevoll „Datschis“ nennt, besonders lieben, weil das im Mund einen guten Kontrast zum süßen Hefeteig bildet.

    Falls Sie demnächst mal nach Augsburg kommen, was Sie tun sollten, denn die Stadt ist Weltkulturerbe, kosten Sie unbedingt den Datschi von der Konditorei Euringer am Perlachberg, direkt neben dem historischen Rathaus. Besser geht’s nicht!

    Und für alle, die jetzt Lust auf noch mehr Blechkuchen bekommen haben: In der neuen Frau im Leben finden Sie auf 16 Extra-Seiten viele leckere Backrezepte für sommerlichen Kuchengenuss. Die Ausgabe 8/21 gibt es hier online.

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.